Wirtschaftliche Entwicklung im ostdeutschen Maschinenbau 2018

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Auftragseingang, Beschäftigung und Umsatz: Die Ergebnisse für das Gesamtjahr sind gut.

2018 war für den ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau ein gutes Jahr. Der Auftrags­eingang zeigte sich schwungvoll, der Gesamtumsatz erreichte den zweithöchsten Wert der Historie, die Beschäftigung kletterte auf den Stand von Mitte der 1990-er Jahre. Beim Blick auf die einzelnen Bundesländer zeigte sich allerdings ein differenziertes Bild.

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Auftragseingang: Stattliches Plus

Das Gesamtauftragsvolumen 2018 übertraf deutlich das von 2017. Von Januar bis Dezem­ber verbuchten die ostdeutschen Firmen ein Auftragsplus von 12 Prozent. Treibende Kraft war dabei das internationale Geschäft. Egal, ob Euro-Raum oder nichteuropäisches Ausland: Die ausländischen Auftraggeber zeigten sich besonders bestellfreudig. Deutsche Kunden hielten sich indes zurück und erteilten im Jahresverlauf weniger Aufträge.


Gesamtumsatz: Sachsen führt Ranking an

Der Jahresumsatz der ostdeutschen Maschinenbau-Unternehmen (Basis sind Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten) sank 2018 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 500 Millionen Euro auf 18,51 Milliarden Euro. Blick man allein auf die Zahl, ist der Rückgang erheblich. Der Grund hierfür lässt das Ergebnis jedoch in einem anderen Licht erscheinen. So war die Ausgangsbasis nach dem außergewöhnlich starken Anstieg im Jahr 2017 sehr hoch (von 17,76 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf 19,01 Milliarden Euro 2017). Zu diesem enormen Plus hatte unter anderem ein Sondereffekt in Mecklenburg-Vorpommern (mehrere Großauf­träge für ausländische Kunden) geführt.

Zuvor war der Gesamtumsatz der Branche seit 2010 – mit Ausnahme von 2013 – stetig gewachsen. Der Wert der verkauften Waren erhöhte sich in dem Zeitraum um nahezu die Hälfte von 12,36 Milliarden Euro auf heute 18,51 Milliarden Euro, den zweithöchsten Wert im ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau.

Im Ranking der ostdeutschen Bundesländer einschließlich Berlin verbuchten die sächsischen Unternehmen den höchsten Umsatz. Mit 8,12 Milliarden Euro übertrafen sie 2018 erneut ihr Vorjahresergebnis und erreichten damit das höchste Ergebnis seit der Wiedervereinigung.

Den größten Sprung in der Entwicklung machte indes Thüringen. Die Firmen steigerten ihren Umsatz um reichlich 10 Prozent gegenüber 2017. Während alle mitteldeutschen Länder ein Plus verbuchten, lagen Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern unter ihren Vorjahresumsätzen. Dies wirkt sich auch auf das Ranking aus.


Das Umsatz-Ranking

  1. Sachsen: 8,12 Milliarden Euro
  2. Thüringen: 3,14 Milliarden Euro
  3. Sachsen-Anhalt: 2,49 Milliarden Euro
  4. Mecklenburg-Vorpommern: 2,17 Milliarden Euro
  5. Berlin: 2,00 Milliarden Euro
  6. Brandenburg: 0,60 Milliarden Euro


Pro-Kopf-Umsatz: Mecklenburg-Vorpommern überflügelt alle

Beim Pro-Kopf-Umsatz hat Mecklenburg-Vorpommern klar die Nase vorn. Fast 359.000 Euro erzielte jeder Mitarbeiter – mehr als doppelt so viel wie die Beschäftigten in Brandenburg. Unterschiede können entstehen infolge der Marktstellung (Nische schlägt Massenmarkt), den erzielten Preisen für Produkte und Dienstleistungen, der Produktivität, dem Eigenanteil von Forschung und Entwicklung, dem Stand im Produktlebenszyklus (Produkteinführung – vom Markt angenommenes Produkt), aber auch infolge der innerbetrieblichen Prozesseffi­zienz und den nachgelagerten Kosten wie für Logistik.


Das Pro-Kopf-Umsatz-Ranking

  1. Mecklenburg-Vorpommern: 358.581 Euro/Mitarbeiter
  2. Sachsen: 226.706 Euro/Mitarbeiter
  3. Berlin: 217.549 Euro/Mitarbeiter
  4. Thüringen: 197.515 Euro/Mitarbeiter
  5. Sachsen-Anhalt: 188.463 Euro/Mitarbeiter
  6. Brandenburg: 143.090 Euro/Mitarbeiter

Im gesamtdeutschen Maschinen- und Anlagenbau betrug 2018 der Pro-Kopf-Umsatz 218.200 Euro (Quelle: Statistikportal Statista). Das heißt, die drei Erstplatzierten Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Berlin liegen im Durchschnitt oder darüber.


Auslandsumsatz: Nur Sachsen und Thüringen legen zu

Der Rückgang des Gesamtumsatzes im ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau ist vor allem eine Folge des niedrigeren Auslandsumsatzes. Demnach verringerte sich der Auslandsumsatz 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent von 501 Millionen Euro auf 9,42 Milliarden Euro (Basis sind Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten).

Lediglich die Unternehmen in Sachsen und Thüringen verzeichneten einen Zuwachs. In allen anderen Bundesländern inklusive des exportstarken Berlin gingen die Exporte zurück. Hier schlagen zum einen die Sondereffekte wie die vorjährigen Großaufträge in Mecklenburg-Vorpommern zu Buche – die Unternehmen dieses Bundeslandes registrierten den größten Rückgang im Vorjahresvergleich. Gleichzeitig ist es möglich, dass die langanhaltenden geopolitischen Herausforderungen erste Spuren hinterlassen haben.


Das Auslandsumsatz-Ranking

  1. Sachsen: 4,22 Milliarden Euro
  2. Thüringen: 1,43 Milliarden Euro
  3. Berlin: 1,42 Milliarden Euro
  4. Mecklenburg-Vorpommern: 1,06 Milliarden Euro
  5. Sachsen-Anhalt: 1,03 Milliarden Euro
  6. Brandenburg: 0,25 Milliarden Euro

Dass der Auftragseingang ein anderes Bild zeichnete und gerade auf dem Plus ausländi­scher Bestellungen basierte, ist indes kein Widerspruch. Zwar orderten ausländische Kunden 2018 mehr Maschinen und Komponenten als 2017 – dies kann jedoch mit einem Nachhol­effekt begründet werden: 2017 und 2016 gingen von ihnen jeweils weniger Aufträge ein als im Vorjahr. Außerdem ist der Auftragseingang nicht zwangsläufig an eine unmittelbare Realisierung eines Projekts gebunden. Häufig werden zum Jahresende noch Aufträge vergeben, die Umsätze fließen jedoch nicht mehr in die Bücher der Unternehmen ein.


Exportquote: Lediglich Berlin hält im gesamtdeutschen Vergleich Schritt

Die historischen Ausgangsbedingungen, die Betriebsgrößen und die ausgeprägte Zuliefer­struktur im ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau beeinflussen nach wie vor den Anteil des internationalen Geschäfts am Gesamtumsatz. Nachholbedarf besteht in besonderer Weise für die Unternehmen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die am wenigsten Produkte und Dienstleistungen ins Ausland verkauften. Nur Berlin erreicht regelmäßig annähernd die bundesweite Exportquote von etwa 79 Prozent. Der ostdeutsche Branchendurchschnitt beträgt 50,9 Prozent.


Das Exportquoten-Ranking

  1. Berlin: 71,1 Prozent
  2. Mecklenburg-Vorpommern: 48,7 Prozent
  3. Sachsen: 52,0 Prozent
  4. Brandenburg: 42,0 Prozent
  5. Thüringen: 45,7 Prozent
  6. Sachsen-Anhalt: 41,5 Prozent


Beschäftigung: Unternehmen aller Bundesländer stellen ein

Die Beschäftigtenzahl machte 2018 einen enormen Sprung. Die Maschinen- und Anlagen­bauer aller ostdeutschen Bundesländer und Berlin setzten damit ihre nachhaltige Personal­politik fort, hatten teilweise aber große Schwierigkeiten, die ausgeschriebenen Stellen mit geeigneten Fachkräften und Auszubildenden zu besetzen.

Die Zahl der Mitarbeiter (Basis sind Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten) lag 2018 im Jahresschnitt bei zirka 84.300. Damit nähert sich die Beschäftigtenzahl wieder der von 1996, als nach dem massiven Stellenabbau knapp 86.000 Menschen ihre berufliche Heimat in der Branche fanden.


Das Beschäftigten-Ranking

  1. Sachsen: 35.813 Mitarbeiter
  2. Thüringen: 15.870 Mitarbeiter
  3. Sachsen-Anhalt: 13.190 Mitarbeiter
  4. Berlin: 9.172 Mitarbeiter
  5. Mecklenburg-Vorpommern: 6.063 Mitarbeiter
  6. Brandenburg: 4.191 Mitarbeiter


2019 moderates Produktionswachstum

Die globalen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten werden die Industrie auch im Jahr 2019 begleiten. Daher rechnet der VDMA für das laufende Jahr mit einem moderaten Produktionswachstum von 1 Prozent. Für den ostdeutschen Maschinenbau kann man von einer Steigerung in einer ähnlichen Größenordnung ausgehen.


Entwicklung der einzelnen Bundesländer und Berlin

Details zur Entwicklung in den ostdeutschen Bundesländern und Berlin erfahren Sie in den nachstehenden Beiträgen. Klicken Sie hierfür einfach auf das jeweilige Bundesland!

Hauptstadtregion Berlin und Brandenburg

Mecklenburg-Vorpommern

Sachsen

Sachsen-Anhalt

Thüringen

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