Technikbildung an Schulen – Berlin im Bundesländervergleich abgeschlagen

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Das Informatikangebot Berlins ist deutschlandweit einzigartig – doch darüber hinaus greifen die Lehrpläne nur wenige Technikinhalte auf. In der bundesweiten Lehrplananalyse des VDMA landet Berlin daher auf dem drittletzten Platz.

  • Auf Stundentafel von Gymnasiasten fehlen Technikinhalte
  • Schulen punkten mit guter Berufs- und Praxisorientierung
  • VDMA will Lehrinhalte und Lehrerausbildung anpassen


Informatik als Pflicht- und zusätzliches Wahlpflichtfach für alle Schüler der weiterführenden allgemeinbildenden Schulformen: Das gibt es deutschlandweit nur in Berlin. Darüber hinaus greifen die Lehrpläne allerdings nur wenige Technikinhalte auf. Dies zeigt eine umfangreiche Lehrplananalyse des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Im Ländervergleich der schulischen Technikbildung belegt Berlin Rang 14.

Deutschland ist eine Techniknation. Im allgemeinbildenden Schulsystem spielt die technische Bildung jedoch eine untergeordnete Rolle. Die Untersuchung des VDMA ergab, dass die Mehrheit der Jugendlichen die Schule ohne technische Vorbildung abschließen kann. "Während der Busfahrt mit Freunden per Smartphone chatten, zu Hause ein Kühlschrank-frisches Getränk genießen oder nach der Schule das Mittagessen in der Mikrowelle aufwärmen: All das ist für viele Jugendliche selbstverständlich. Wie aber die Technik funktioniert, wissen immer weniger junge Leute", sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA-Landesverbandes Ost.

Das macht auch den ostdeutschen Maschinenbauern zu schaffen. Einer Umfrage des VDMA Ost zufolge hatten fast zwei Drittel der ausbildenden Unternehmen Schwierigkeiten, bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres alle gewerblichen Ausbildungsstellen zu besetzen. 70 Prozent der betroffenen Betriebe bemängelten, dass die Jugendlichen oftmals nicht ausreichend auf die Anforderungen in der betrieblichen Praxis vorbereitet sind. Gründe sind erhebliche Wissenslücken in den Naturwissenschaften und fehlendes Technikverständnis.


Technikbildung am Gymnasium spärlich

Da künftige technische Innovationen ausbildungsfähige Nachwuchskräfte erfordern, hat der VDMA den Stellenwert der schulischen Technikbildung an allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufen 1 und 2 in den einzelnen Bundesländern untersucht. Berlin belegt im Ländervergleich mit 64.8 von 100 Punkten den drittletzten Platz – Spitzenreiter ist Baden-Württemberg (87.9) vor Sachsen-Anhalt (86.5) und Thüringen (80.7). Der Mittelwert beträgt 73.6 Punkte.

Einen hohen Stellenwert hat in Berlin das Fach Informatik, das sowohl an der Sekundarschule als auch am Gymnasium im Pflicht- und Wahlpflichtbereich unterrichtet wird. Dies ist in Deutschland einzigartig. Außerdem sind Sekundarschüler verpflichtet, das technikorientierte Fach "Wirtschaft, Arbeit, Technik" zu belegen. An Gymnasien hingegen gibt es nichts Vergleichbares. Außerdem fehlt in beiden Schulformen ein eigenes Fach Technik. "Ich kann nicht verstehen, dass die technische Bildung am Gymnasium nahezu auf der Strecke bleibt. In Berlin gibt es so viele innovative Industriebetriebe und eine traditionsreiche Technikerausbildung. Die technische Schulbildung führt jedoch ein Nischendasein, das passt nicht zusammen", ärgert sich Pätz.


Eigenständiges Fach Technik hat viele Vorteile

Wie es besser geht, zeige Sachsen-Anhalt mit einem eigenständigen Pflichtfach Technik für alle Schulformen. Dies bringe zugleich Vorteile für die Lehrer, ist der Landesverbandsgeschäftsführer überzeugt. "Physik- und Biologielehrer sollen heute in ihrem Fach technische Inhalte vermitteln, obwohl sie dafür nicht ausgebildet sind. Wie sollen sie so Technik-Kompetenzen wie Erfinden, Konstruieren und Fertigen aufbauen und junge Leute begeistern", fragt er.

Die Praxis- und Berufsorientierung hingegen ist an Berlins Schulen gut. So sind in den Lehrplänen unter anderem Pflichtpraktika, projektorientierte Lernformen und die fächerübergreifende Zusammenarbeit verankert. Lediglich bei der Kooperation von Mathematik und anderen Lehrbereichen wünscht sich der VDMA noch mehr technische Aufgabenstellungen. Schüler könnten so leichter den Bezug zum Alltag und der beruflichen Praxis herstellen. Das wiederum fördere das generelle Verständnis naturwissenschaftlich-technischer Zusammenhänge und erhöhe die Motivation, sich weiter mit technischen Themen zu befassen.

Pätz befürwortet außerdem deutschlandweite Standards für die Vermittlung von Bildung. Ideal sei darüber hinaus, bereits in Kindergarten und Grundschule spielerisch die Faszination für Technik zu wecken.

 

Wir beantworten gern Ihre Fragen:
Oliver Köhn, Geschäftsführer VDMA Ost, Telefon 0341 521160-13, E-Mail
Stefan Grötzschel, VDMA Bildung, Telefon 069 6603-1343, E-Mail

 

Unter bildung.vdma.org/technikunterricht erhalten Sie zudem umfassende Materialien für alle Bundesländer.

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