Technikbildung an Schulen – Brandenburg schneidet gut ab

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Brandenburgs Schulen sind mit Blick auf die Technikbildung auf einem guten Weg. So vermitteln alle allgemeinbildenden weiterführenden Schulformen ein breit gefächertes Technikwissen. Im bundesweiten Vergleich belegt Brandenburg den achten Platz.

  • Zur Spitzengruppe fehlt eigenständiges Unterrichtsfach Technik
  • Schulen punkten mit sehr guter Berufs- und Praxisorientierung
  • VDMA will Lehrinhalte und Lehrerausbildung anpassen


Alle allgemeinbildenden weiterführenden Schulformen in Brandenburg vermitteln ein breit gefächertes Technikwissen. Im bundesweiten Ländervergleich der schulischen Technikbildung landet Brandenburg dennoch nur im Mittelfeld. Der Grund: Weder Gesamtschule noch Oberschule oder Gymnasium bieten ein eigenständiges Unterrichtsfach Technik an. Das zeigt eine umfangreiche Lehrplananalyse des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Deutschland ist eine Techniknation. Im allgemeinbildenden Schulsystem spielt die technische Bildung jedoch eine untergeordnete Rolle. Die Untersuchung des VDMA ergab, dass die Mehrheit der Jugendlichen die Schule ohne technische Vorbildung abschließen kann. "Während der Busfahrt mit Freunden per Smartphone chatten, zu Hause ein Kühlschrank-frisches Getränk genießen oder nach der Schule das Mittagessen in der Mikrowelle aufwärmen: All das ist für viele Jugendliche selbstverständlich. Wie aber die Technik funktioniert, wissen immer weniger junge Leute", sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA-Landesverbandes Ost.

Das macht auch den ostdeutschen Maschinenbauern zu schaffen. Einer Umfrage des VDMA Ost zufolge hatten fast zwei Drittel der ausbildenden Unternehmen Schwierigkeiten, bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres alle gewerblichen Ausbildungsstellen zu besetzen. 70 Prozent der betroffenen Betriebe bemängelten, dass die Jugendlichen oftmals nicht ausreichend auf die Anforderungen in der betrieblichen Praxis vorbereitet sind. Gründe sind erhebliche Wissenslücken in den Naturwissenschaften und fehlendes Technikverständnis.


Zentrales Element der technischen Allgemeinbildung fehlt

Da künftige technische Innovationen ausbildungsfähige Nachwuchskräfte erfordern, hat der VDMA den Stellenwert der schulischen Technikbildung an allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufen 1 und 2 in den einzelnen Bundesländern untersucht. Branchenburg erreicht im Ländervergleich mit 74 von 100 Punkten den achten Platz – Spitzenreiter ist Baden-Württemberg (87.9) vor Sachsen-Anhalt (86.5) und Thüringen (80.7). Der Mittelwert beträgt 73.6 Punkte.

Brandenburgs Lehrpläne weisen viele gute Punkte auf. In allen Schulformen gibt es das technikorientierte Pflichtfach "Wirtschaft, Arbeit, Technik". Darüber hinaus können alle Schüler Informatik als Unterrichtsfach wählen. Um zur Spitzengruppe aufzuschließen, fehlt aber ein entscheidendes Kriterium: ein eigenständiges Unterrichtsfach Technik. Das bieten weder Oberschulen noch Gesamtschulen noch Gymnasien. In der gymnasialen Oberstufe fehlt zudem generell ein technikorientiertes Fach. "Hier muss dringend nachgebessert werden. Auch mit Blick auf die Digitalisierung ist es wichtig, die technische Bildung rasch aus ihrem Nischendasein zu führen", mahnt Pätz.

Wie es besser geht, zeige Sachsen-Anhalt mit einem eigenständigen Pflichtfach Technik für alle Schulformen. Das bringe zugleich Vorteile für die Lehrer, ist der Landesverbandsgeschäftsführer überzeugt. "Physik- und Biologielehrer sollen heute in ihrem Fach technische Inhalte vermitteln, obwohl sie dafür nicht ausgebildet sind. Wie sollen sie so Technik-Kompetenzen wie Erfinden, Konstruieren und Fertigen aufbauen und junge Leute begeistern", fragt er.


Umfangreiche Praxisangebote – aber bessere Verknüpfung von Fächern gefragt

Großgeschrieben wird in Brandenburgs Schulsystem die Praxis- und Berufsorientierung. So sind in den Lehrplänen aller Schulen unter anderem Praxistage, Pflichtpraktika und projektorientierte Lernformen verankert.

Nachholbedarf gibt es der Analyse zufolge noch in der fächerübergreifenden Zusammenarbeit. Während in Mathematik bereits praxisbezogene Technikinhalte integriert sind, ließen sich in anderen Fächern wie Physik technische und naturwissenschaftliche Fragestellungen noch besser miteinander verknüpfen. Schüler könnten so leichter den Bezug zum Alltag und der beruflichen Praxis herstellen. Das wiederum fördere das generelle Verständnis naturwissenschaftlich-technischer Zusammenhänge und erhöhe die Motivation, sich weiter mit technischen Themen zu befassen.

Pätz befürwortet außerdem deutschlandweite Standards für die Vermittlung von Bildung. Ideal sei darüber hinaus, bereits in Kindergarten und Grundschule spielerisch die Faszination für Technik zu wecken.

 

Wir beantworten gern Ihre Fragen:
Oliver Köhn, Geschäftsführer VDMA Ost, Telefon 0341 521160-13, E-Mail
Stefan Grötzschel, VDMA Bildung, Telefon 069 6603-1343, E-Mail

 

Unter bildung.vdma.org/technikunterricht erhalten Sie zudem umfassende Materialien für alle Bundesländer.

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