Technikbildung an Schulen – Mecklenburg-Vorpommern bundesweit im Mittelfeld

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Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den wenigen Bundesländern, die Informatik als Pflichtfach in allen weiterführenden allgemeinbildenden Schulformen anbieten. Doch es gibt auch noch Nachholbedarf. Das beschert dem Land Platz neun in der bundesweiten Lehrplananalyse des VDMA.

  • Bundesland ist eines von nur vier Ländern mit Pflichtfach Informatik
  • Schulen punkten mit guter Berufs- und Praxisorientierung
  • VDMA will Lehrinhalte und Lehrerausbildung anpassen


Informatik als Pflichtfach in allen weiterführenden allgemeinbildenden Schulformen: Das gibt es deutschlandweit nur in vier Bundesländern, darunter in Mecklenburg-Vorpommern. Ein eigenständiges Unterrichtsfach Technik wird allerdings nicht angeboten. Daher landet Mecklenburg-Vorpommern im Ländervergleich der schulischen Technikbildung im Mittelfeld. Dies zeigt eine umfangreiche Lehrplananalyse des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Deutschland ist eine Techniknation. Im allgemeinbildenden Schulsystem spielt die technische Bildung jedoch eine untergeordnete Rolle. Die Untersuchung des VDMA ergab, dass die Mehrheit der Jugendlichen die Schule ohne technische Vorbildung abschließen kann. "Während der Busfahrt mit Freunden per Smartphone chatten, zu Hause ein Kühlschrank-frisches Getränk genießen oder nach der Schule das Mittagessen in der Mikrowelle aufwärmen: All das ist für viele Jugendliche selbstverständlich. Wie aber die Technik funktioniert, wissen immer weniger junge Leute", sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA-Landesverbandes Ost.

Das macht auch den ostdeutschen Maschinenbauern zu schaffen. Einer Umfrage des VDMA Ost zufolge hatten fast zwei Drittel der ausbildenden Unternehmen Schwierigkeiten, bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres alle gewerblichen Ausbildungsstellen zu besetzen. 70 Prozent der betroffenen Betriebe bemängelten, dass die Jugendlichen oftmals nicht ausreichend auf die Anforderungen in der betrieblichen Praxis vorbereitet sind. Gründe sind erhebliche Wissenslücken in den Naturwissenschaften und fehlendes Technikverständnis.


Überdurchschnittlich viele Technikangebote

Da künftige technische Innovationen ausbildungsfähige Nachwuchskräfte erfordern, hat der VDMA den Stellenwert der schulischen Technikbildung an allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufen 1 und 2 in den einzelnen Bundesländern untersucht. Mecklenburg-Vorpommern erreicht im Ländervergleich mit 73.5 von 100 Punkten den neunten Platz – Spitzenreiter ist Baden-Württemberg (87.9) vor Sachsen-Anhalt (86.5) und Thüringen (80.7). Der Mittelwert beträgt 73.6 Punkte.

Die Lehrpläne in Mecklenburg-Vorpommern weisen zahlreiche gute Punkte auf. In der Sekundarstufe 1 werden in allen Schulformen überdurchschnittlich viele Technikinhalte vermittelt. So gehören die Lernbereiche "Wirtschaft, Arbeit, Technik" sowie Informatik zu den Pflichtfächern. Um zur Spitzengruppe aufzuschließen, fehlt aber ein entscheidendes Kriterium: ein eigenständiges Unterrichtsfach Technik. Das bieten weder die regionalen Schulen noch die integrierten Gesamtschulen noch Gymnasien. In der gymnasialen Oberstufe gibt es zudem kein vergleichbares Technikangebot wie in den unteren Klassenstufen. "Hier muss dringend nachgebessert werden. Auch mit Blick auf die Digitalisierung ist es wichtig, die technische Bildung rasch aus ihrem Nischendasein zu führen", mahnt Pätz.

Wie es besser geht, zeige Sachsen-Anhalt mit einem eigenständigen Pflichtfach Technik für alle Schulformen. Das bringe zugleich Vorteile für die Lehrer, ist der Landesverbandsgeschäftsführer überzeugt. "Physik- und Biologielehrer sollen heute in ihrem Fach technische Inhalte vermitteln, obwohl sie dafür nicht ausgebildet sind. Wie sollen sie so Technik-Kompetenzen wie Erfinden, Konstruieren und Fertigen aufbauen und junge Leute begeistern", fragt er.


Umfangreiche Praxisangebote – aber bessere Verknüpfung von Fächern gefragt

Gut positioniert ist Mecklenburg-Vorpommern in der Praxis- und Berufsorientierung. In den Lehrplänen fest verankert sind unter anderem Pflichtpraktika und berufsorientierter Projektunterricht. Im Fach "Wirtschaft, Arbeit, Technik" lernen die Schüler außerdem, Technik zu konstruieren und anzuwenden.

Nachholbedarf gibt es der Analyse zufolge in der fächerübergreifenden Zusammenarbeit. Vor allem in Mathematik ließen sich laut VDMA praxisbezogene Technikinhalte besser integrieren. Schüler könnten so leichter den Bezug zum Alltag und der beruflichen Praxis herstellen. Das wiederum fördere das generelle Verständnis naturwissenschaftlich-technischer Zusammenhänge und erhöhe die Motivation, sich weiter mit technischen Themen zu befassen. Pätz befürwortet außerdem deutschlandweite Standards für die Vermittlung von Bildung.

 

Wir beantworten gern Ihre Fragen:
Oliver Köhn, Geschäftsführer VDMA Ost, Telefon 0341 521160-13, E-Mail
Stefan Grötzschel, VDMA Bildung, Telefon 069 6603-1343, E-Mail

 

Unter bildung.vdma.org/technikunterricht erhalten Sie zudem umfassende Materialien für alle Bundesländer.

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