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Wie sicher sind ostdeutsche Standorte?

11.05.2016 | id:13347928

Wirtschaftswachstum trotz Fachkräfteengpass und Exportschwäche – geht das? Nein, sagt der VDMA Ost. Er engagiert sich deshalb in verschiedenen Initiativen und wirbt für eine neue Offenheit. Zum Beispiel in Sachsen.

Tradition und Innovation – regionale Verbundenheit und Weltoffenheit: Das ist der Maschinen- und Anlagenbau in Sachsen. Und er ist eine Erfolgsgeschichte. So erwirtschaften die sächsischen Unternehmen fast die Hälfte des Branchenumsatzes in Ostdeutschland. Doch es gibt auch Schattenseiten: Die demografische Entwicklung hinterlässt Spuren, der Export des Bundeslandes hinkt dem Bundesdurchschnitt hinterher. Zusätzlich gefährdet eine anhaltend negative Medienberichterstattung über Ausländerfeindlichkeit den Wirtschaftsstandort.

Allianz zur Fachkräftebindung

"Qualifizierte Fachkräfte sind das Rückgrat der Wirtschaft. Sie bestimmen maßgeblich unsere Wettbewerbsfähigkeit", sagt Stefan Brangs, Staatssekretär im sächsischen Wirtschaftsministerium und Vorsitzender der Ende 2015 gegründeten Fachkräfteallianz Sachsen. Dem Gremium gehören Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden wie dem VDMA Ost, Gewerkschaften und der Staatsregierung an. Sie wollen landesweite, regionale und verbindliche Aktionen bündeln. Außerdem beraten sie die Staatsregierung und regen konkrete Maßnahmen an, um ausreichend und nachhaltig Fachkräfte zu gewinnen und zu binden. Vor allem junge Leute, Menschen mit Behinderung, Frauen und Ältere sowie Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose sollen stärker in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Im April beschloss die Fachkräfteallianz die wesentlichen Arbeitsschwerpunkte. Sie wird sich unter anderem mit der schulischen Bildung und dualen Ausbildung, systematischen Personalentwicklung in Unternehmen, besseren Nutzung der vorhandenen Erwerbspotenziale und der Digitalisierung der Arbeit befassen.

Doch auch wenn die vorhandenen Potenziale besser genutzt werden – sie werden mit Blick auf den demografischen Wandel langfristig nicht ausreichen. Die Region ist auf die gezielte Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte angewiesen. Aber auch Migranten mit Bleibeperspektive müssen künftig in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt werden. Herausforderungen, Chancen und konkrete Maßnahmen verdeutlicht die Erklärung "Die Chancen der Integration gemeinsam nutzen" verschiedener Akteure. Als Mitglied der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) unterstützt auch der Landesverband dieses Papier.

Weltoffener Standort

Kunden auf allen Kontinenten, globale Lieferketten – der Maschinenbau ist eine weltoffene Branche. Internationale Fachkräfte in deutschen Unternehmen sowie hochqualifizierte ausländische Mitarbeiter in der Forschungs- und Hochschullandschaft gehören zum Alltagsbild – sie tragen zur positiven Entwicklung der Industrie bei. Das alles stehe auf dem Spiel, sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost. "Fremdenfeindliche Ausschreitungen in Sachsen und ganz Deutschland dürfen wir nicht hinnehmen. Sie sind nicht nur moralisch verwerflich, sie schaden dem Wirtschaftswachstum und dem Standort. Damit riskieren wir auch einheimische Arbeitsplätze", erklärt Pätz.

Das sächsische Wirtschaftsministerium und Unternehmen der Region haben daher eine gemeinsame "Initiative für ein weltoffenes Sachsen – Unternehmer werden aktiv" gestartet. Diese befürwortet auch der VDMA Ost. "Mit einem wachsenden Netzwerk und klaren Bekenntnissen wollen wir für den weltoffenen und international eingebundenen Standort werben", ergänzt der Verbandsgeschäftsführer. So soll die unternehmergesteuerte Initiative dazu beitragen, Migranten in Arbeit zu integrieren, die eigene Belegschaft und die Menschen in Sachsen von der Notwendigkeit und Chance von Zuwanderung zu überzeugen sowie ein positives Bild des Wirtschaftsstandortes in die Welt zu senden. Bekräftigt wird dies durch eine Absichtserklärung der Akteure.

Neue Wege auf neuen Märkten gehen

Mit der Außenwirtschaftsinitiative Sachsen schließt sich der Kreis um das Thema Fachkräfte. Der VDMA Ost kennt die besonderen Herausforderungen der ostdeutschen Unternehmen – und ermuntert dennoch die Betriebe, sich verstärkt neuen Märkten zuzuwenden. Daher bringt sich der Landesverband auch in diese Initiative ein. Sie hat das Ziel, vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen den Weg auf die Auslandsmärkte zu erleichtern. So beteiligte sich VDMA Ost mit einer Veranstaltung zu Südamerika an der diesjährigen Außenwirtschaftswoche.

"Dieser Schritt wird jedoch nur mit in- und ausländischen Fachleuten gelingen: von der Produktentwicklung über den Vertrieb bis zum After-Sale-Service", ist Pätz überzeugt. Vor allem im Vertrieb und direkt vor Ort könnten ausländische Mitarbeiter echte Wettbewerbsvorteile bringen. Voraussetzung dafür ist eine Willkommenskultur auf der einen und ein Integrationswille auf der anderen Seite.

Ihr Kontakt zum VDMA Ost

Sie haben Fragen zu den Initiativen oder Anregungen für die politische Interessenvertretung des VDMA Ost? Dann sprechen Sie uns bitte an!
Reinhard Pätz, Geschäftsführer VDMA Ost, Telefon 0341 521160-13, E-Mail

Bildquelle : Lenze

Pätz, Reinhard
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