VDMA Ost: Nachwuchssorgen beim Start ins neue Ausbildungsjahr

11.08.2016 | id:9047305
  • Hälfte der Maschinenbauer tut sich schwer, geeignete Azubis zu finden
  • Unternehmen bemängeln fehlende Ausbildungsreife
  • VDMA schult Lehrer und Berufsberater vor Ort

In diesen Tagen beginnt das neue Ausbildungsjahr. Mit einer Ausbildungsquote von 6 Prozent liegt der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau deutlich über dem Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes. Die Hälfte der ausbildenden Unternehmen hatte in diesem Jahr jedoch Schwierigkeiten, die gewerblichen Ausbildungsplätze mit geeigneten Jugendlichen zu besetzen. Das ergab eine Umfrage des VDMA Ost unter den 350 Mitgliedern aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Probleme bereiteten demnach die rückläufige Zahl an Bewerbungen sowie eine mangelhafte Ausbildungsreife der jungen Leute. "Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Unternehmen gestiegen, welche die qualitativen Defizite der Schulabgänger kritisieren", sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des Landesverbandes. 80 Prozent der Betriebe mit Schwierigkeiten bei der Azubi-Suche bemängelten, dass den Jugendlichen unter anderem Grundlagenwissen fehle und sie somit nicht ausreichend auf die Anforderungen in der betrieblichen Praxis vorbereitet seien. Im Jahr zuvor sagten das 74 Prozent.

Berufsbilder der Industrie zu wenig bekannt

Ebenfalls vier von fünf Unternehmen begründeten ihre Probleme mit zunehmend niedrigeren Bewerberzahlen. Am häufigsten führten sie diese auf den demografischen Wandel zurück. Zudem entscheiden sich die begehrten Nachwuchskräfte vermehrt für ein Studium statt für eine betriebliche Ausbildung. "Das hängt auch damit zusammen, dass viele Schüler, Lehrer und Eltern nur wenige gewerbliche Ausbildungsberufe kennen. Es gibt jedoch zahlreiche attraktive Industrieberufe, in denen sich junge Menschen verwirklichen können. Gerade der Maschinenbau- und Anlagenbau ist unglaublich vielfältig und spannend", erklärt Pätz.

Daher bietet der Verband regelmäßig Weiterbildungsveranstaltungen für Lehrer und Berufsberater direkt vor Ort in einem Industriebetrieb an – das nächste Mal am 21. September bei der HIGHYAG Lasertechnologie GmbH in Kleinmachnow. Ebenso trägt das Portal talentmaschine.de dazu bei, mehr junge Menschen für die technische Berufsausbildung zu gewinnen.

Unternehmen gehen in die Offensive

Auch die Unternehmen versuchen, Absolventen für eine Zukunft im Maschinen- und Anlagenbau zu begeistern. Ob Schulpatenschaften, Exkursionen oder Arbeitsgemeinschaften: Die gezielte Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen ist ein Schwerpunkt des Engagements. Ebenso spielen Tage der offenen Tür, Praktikumsangebote sowie die Teilnahme an Ausbildungsmessen eine zentrale Rolle. Immer häufiger nutzen die Unternehmen außerdem ihre eigene Homepage und Social Media-Kanäle, um den Fachkräftenachwuchs anzusprechen.

Schulen müssen praxisnäher werden

Von den Bildungseinrichtungen und der Politik erwarten die Unternehmen mehr Engagement. "Die Firmen schlagen beispielsweise verpflichtende Betriebspraktika für Pädagogen vor, damit diese einen realen Einblick in die Praxis erhalten. Zudem sollten sich die Lehrer intensiver mit den Betrieben und Ausbildungsangeboten in der Region auseinandersetzen", gibt Pätz die Wünsche wieder.

Darüber hinaus fordern die Unternehmen von den Schulen, gezielt Grundkenntnisse in den Naturwissenschaften und Sprachen sowie Grundtugenden wie Leistungsbereitschaft zu vermitteln und so die Ausbildungsfähigkeit zu verbessern. Ebenso wichtig sei, die Ausbildungsinhalte in Schule und Lehre verstärkt an neue betriebliche Anforderungen wie die Digitalisierung anzupassen und die gewerblich-handwerklichen Berufe generell aufzuwerten. "In all diesen Punkten ist auch die Politik gefragt. Allein können die Unternehmen die Herausforderungen nicht stemmen", betont der Geschäftsführer des VDMA Ost.

Bildquelle : VDMA Ost - Fortbildungsveranstaltung bei FKT Triptis

Pätz, Reinhard
Pätz, Reinhard
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