Mecklenburg-Vorpommern braucht dringend wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen

Angelika Lindenbeck

Die mangelnde Verkehrs- und Netzinfrastruktur sowie der Fachkräftemangel: Das sind die größten Problemfelder, denen sich die Politik nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zügig zuwenden muss.

Leipzig, 05. September 2016 – Investitionen in die Verkehrs- und Netzinfrastruktur, eine nachhaltige Bildungs- und Fachkräftepolitik, der Abbau von Bürokratie sowie eine pragmatische Arbeitsmarktpolitik: Das sind nach Ansicht des VDMA Ost zentrale Themen, denen sich die Politik nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zügig zuwenden muss.

"Die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Eine Garantie für eine erfolgreiche Zukunft ist das jedoch nicht. Unabhängig von möglichen politischen Konstellationen muss die künftige Landesregierung daher den eingeschlagenen Weg fortsetzen und die Rahmenbedingungen weiter verbessern", fordert Reinhard Pätz, Geschäftsführer der Regionalvertretung Ost des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Wichtig sei dabei, den Fokus nicht allein auf traditionelle Bereiche wie Tourismus, Schiffbau oder Ernährungswirtschaft zu legen.

Maschinen- und Anlagenbau auf Wachstumskurs

Zur Wirtschaftskraft Mecklenburg-Vorpommerns tragen auch wesentlich aufstrebende Industriezweige wie der Maschinen- und Anlagenbau bei. Der Umsatz der Branche steigt seit Anfang der 2000er-Jahre kontinuierlich, die Exportquote liegt mit knapp 60 Prozent deutlich über dem ostdeutschen Durchschnitt und die Beschäftigtenzahl ist mit zirka 6.000 heute doppelt so hoch wie vor zehn Jahren.

Doch der Aufschwung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Land noch vielfältige, komplexe Herausforderungen bewältigen muss. Ob technologischer Umbruch, demografischer Wandel, Verunsicherung aufgrund globaler wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen, Gesetzesänderungen oder zentrale Standortfragen: Die Politik darf die Unternehmen mit ihren Problemen nicht allein lassen.

Leistungsstarke Netzinfrastruktur dringend erforderlich

Die Maschinenbauer kritisieren sehr stark die fehlende Netzinfrastruktur. "Hier gibt es einen überdurchschnittlich hohen Nachholbedarf. Das fehlende Breitband bremst die Leistungsfähigkeit der Unternehmen aus – ein Standortnachteil im harten internationalen Wettbewerb, den sich Mecklenburg-Vorpommern nicht leisten kann", sagt Pätz. Ohne schnelles Internet geht die Wettbewerbsfähigkeit verloren, Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück und wandern im schlechtesten Fall in attraktivere Regionen ab, Arbeitsplätze gehen verloren, Neuansiedlungen bleiben aus. Es müssen daher schnell und flächendeckend vertretbare Netzverbindungen bereitgestellt werden, verlangt der Verband.

Besonders deutlich werden die Defizite mit Blick auf die nicht aufzuhaltende Digitalisierung. Die vernetzte Produktion eröffnet den Unternehmen nachhaltige Wettbewerbsvorteile. Sie können Produktionskosten sparen, schneller auf neue Anforderungen reagieren und komplexere Produkte beherrschen. "Doch wenn nicht einmal der einfache Datenaustausch vernünftig möglich ist, brauchen wir über Industrie 4.0 gar nicht zu sprechen", macht Pätz klar.

Unzureichende Internetverbindungen und Datenübertragungsraten wirken sich auch negativ auf die Attraktivität der Unternehmen für Fachkräfte aus. So lässt sich eine familienfreundliche Gestaltung von Arbeitsplätzen wie Home-office nur sehr schwer umsetzen. Dies wiederum ist im Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte ein klarer Nachteil.

Standort braucht attraktive Verkehrsinfrastruktur

Ein weiteres grundlegendes Problem ist die mangelhafte Verkehrsinfrastruktur. Dabei sind den Unternehmen nicht nur der zügige Ausbau der Autobahn 14, die Sanierung von Straßen und Brücken sowie eine tägliche Anbindung des Flughafens Rostock-Laage an das zentrale Luftfahrtdrehkreuz in Frankfurt am Main besondere Anliegen. Sie fordern zudem eine bessere Anbindung der Regionen, sei es durch den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs in den ländlichen Gebieten oder häufigere Bahnverbindungen zwischen Großstädten.

Auch dieser Aspekt steht teilweise im Zusammenhang mit der zunehmenden Fachkräfteproblematik. "Ein Unternehmen kann noch so interessant sein und mit den kreativsten Maßnahmen um Nachwuchs- und Fachkräfte werben – punkten kann es letztlich nur, wenn auch das Umfeld stimmt. Fehlen hingegen ausreichend Kinderbetreuungs- und gute Bildungseinrichtungen, Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten, attraktiver Wohnraum sowie angemessene Nah- und Fernverkehrsmöglichkeiten, stehen die Unternehmen auf verlorenem Posten", erklärt Pätz.

Mit engagierter Bildungspolitik gegen den Fachkräftemangel

Für eine nachhaltige Fachkräfte- und damit Standortsicherung ist laut VDMA Ost ebenso eine zielgerichtete Bildungspolitik notwendig. Dazu gehört eine wettbewerbsfähige finanzielle und personelle Ausstattung von Kindertagesstätten, Schulen, Berufs- und Hochschulen genauso wie eine intensivere Ausbildung in den MINT-Fächern. Darüber hinaus müssen sich die Bildungsinhalte an den sich ändernden Tätigkeits- und Anforderungsprofilen der Wirtschaft orientieren, beispielsweise im Zusammenhang mit der Digitalisierung.

Auch die Bildungsqualität an den Schulen müsse erhöht werden, um die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss zu reduzieren und die Ausbildungsreife der Jugendlichen zu erhöhen. Erst kürzlich veröffentlichte der VDMA Ost eine Umfrage, nach der die Hälfte der ausbildenden Unternehmen des ostdeutschen Maschinenbaus in diesem Jahr Schwierigkeiten hatte, die gewerblichen Ausbildungsplätze mit geeigneten Jugendlichen zu besetzen. 80 Prozent dieser Betriebe bemängelten, dass den jungen Leuten unter anderem Grundlagenwissen fehle und sie somit nicht ausreichend auf die Anforderungen in der betrieblichen Praxis vorbereitet seien. Im Jahr zuvor sagten das 74 Prozent der Firmen.

"Eine starke Bildungslandschaft kann helfen, der Abwanderung junger Menschen und dem fortschreitenden Fachkräftemangel entgegenzusteuern. Insbesondere Unternehmen, die außerhalb der angesagten Ballungsräume liegen, fällt es zunehmend schwerer, engagierte, gut qualifizierte und gleichzeitig bezahlbare Mitarbeiter zu gewinnen", warnt Pätz.

Politik muss Bedarfe der KMU im Blick behalten

Um den Wirtschaftsstandort zu stärken, muss die Politik zudem neue Akzente in ihrer Förderpolitik setzen. Es sei zum einen wichtig, die Innovationsförderung zu entbürokratisieren. Zum anderen müsse das verarbeitende Gewerbe stärker gefördert werden. "Dies kommt den vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen zugute, die ganzjährig eine hohe Wertschöpfung und Arbeitsplätze garantieren", betont der Verbands-Geschäftsführer. Zu einer hohen Innovationskraft kann die Landespolitik beitragen, indem sie weiterhin die Verbundforschung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft unterstützt.

Eine wesentliche Chance auf Entlastung der Wirtschaft sieht Pätz außerdem in einer generellen Entbürokratisierung. "Die Unternehmen müssen sich auf ihr Geschäft konzentrieren können. Daher erwarten wir bei geplanten Neuregelungen, welche die Unternehmen zusätzlich belasten und in ihrer Flexibilität einschränken, dass die Landesregierung auf Bundesebene ihr Veto einlegt", sagt Pätz. Dies gelte beispielsweise für Themen wie Mindestlohn, Rentenreform, das Entgeltgleichheitsgesetz und die weitere Regulierung von Arbeit. Nach Ansicht des Verbandes sind Zeitarbeit und Werkverträge wertvolle und notwendige Instrumente, um flexibel und schnell auf positive oder negative Änderungen der Marktnachfrage reagieren zu können. Darüber hinaus würden weitere gesetzliche Eingriffe die Digitalisierung der Produktion behindern.

Pätz wünscht sich nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zügige und konstruktive Sondierungsgespräche der möglichen Regierungsparteien. "Die mittelständische Industrie steht vor immensen Herausforderungen. Umso wichtiger ist, dass die Politik schnell verlässliche, wachstums- und innovationsfördernde Voraussetzungen schafft", unterstreicht Pätz.

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