Mit Sachsens Politik über Hürden bei dualer Ausbildung diskutiert

RWE

Die Ausbildungssituation in den Unternehmen ist zunehmend angespannt. Daher sprach der VDMA Ost in den vergangenen Wochen unter anderem mit dem Sächsischen Wirtschaftsministerium über Hintergründe und Handlungsoptionen.

Der VDMA Ost hat sich Anfang Dezember mit der Arbeitsebene des sächsischen Wirtschaftsministeriums über Hürden der dualen Ausbildung sowie Lösungsmöglichkeiten ausgetauscht.

Vor Beginn des Ausbildungsjahres im August 2017 hatte der VDMA Ost seine Mitglieder zur aktuellen Ausbildungssituation befragt. Das Ergebnis war ernüchternd: 60 Prozent der ausbildenden Maschinen- und Anlagenbauer in Ostdeutschland hatten in diesem Jahr Schwierigkeiten, ihre gewerblichen Ausbildungsplätze mit geeigneten Jugendlichen zu besetzen. 85 von 100 Unternehmen gaben an, dass die Jugendlichen oftmals nicht ausreichend auf die Anforderungen in der betrieblichen Praxis vorbereitet sind. 97 von 100 Unternehmen begründeten ihre Probleme zudem mit der sinkenden Zahl an Bewerbern.


Politik nimmt Gesprächsangebot an

Der Landesverband hat diese Ergebnisse den Wirtschaftsministern aller ostdeutschen Bundesländer und Berlin kommuniziert, um die Politik auf die unbefriedigende Situation aufmerksam zu machen. Und diese hat reagiert: Gespräche fanden kürzlich in Mecklenburg-Vorpommern sowie mit Sachsen-Anhalts Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Armin Willingmann statt.

Hintergründe und Handlungsoptionen diskutierte der VDMA Ost zudem auf Einladung des Sächsischen Wirtschaftsministeriums. Der Verband stellte klar, dass dual qualifizierte Fachkräfte die tragende Säule der Industrie sind und der Bedarf in den kommenden Jahren noch steigen wird – zum einen infolge der demografischen Entwicklung und zum anderen aufgrund der sich wandelnden Fachkräfteprofile.

Experten erwarten darüber hinaus, dass gewerblich-technische Fachkräfte schwieriger zu gewinnen sein werden als Ingenieure. Deshalb ist es wichtig, die Wertigkeit und Attraktivität der dualen Ausbildung in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu stärken. Jungen Menschen muss bewusst gemacht werden, dass der duale Bildungsweg genauso spannende Chancen eröffnet wie der akademische.


Zusätzliche Mittel für Berufsschulen

Dazu gehört auch, die Berufsschulen als die Partner des dualen Berufsbildungssystems zu stärken. "Es muss schnell in die technische und personelle Ausstattung investiert werden", forderte Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost. Hier müssen auch vermeintliche Nebensächlichkeiten berücksichtigt werden. Beispielsweise darf für die Wartung und Betreuung der IT-Systeme nicht die Lehrkraft verantwortlich sein.

Das Wirtschaftsministerium unterstützt das Ansinnen. Gleichzeitig hat es darauf hingewiesen, dass Qualität und Quantität bei einem festen Finanzvolumen einen schwer zu vereinbarenden Zielkonflikt darstellen. Für zusätzliche Mittel bedarf es großer Überzeugungsarbeit gegenüber den anderen Ressorts der Staatsregierung.

Rund um die Belange der dualen Berufsausbildung wünscht sich umgekehrt auch das Wirtschaftsministerium eine breitere Unterstützung der Wirtschaft. Es versteht sich als Partner der Industrie, welche die gleichen Ziele verfolgt. Unterstützung benötigt das Ministerium vor allem in den Haushaltsverhandlungen und für das Einwerben zusätzlicher Mittel, die immer zu Lasten anderer Bereiche gehen.


Sorgen des Wirtschaftsministeriums

Das Wirtschaftsministerium teilt die Meinung des VDMA, dass auf dem Weg zur digitalen Produktion keine komplett neuen Berufsbilder notwendig sind – denn neue Berufe bedürfen immer auch einer entsprechenden Bildungsinfrastruktur. Stattdessen müsse eine Teilnovellierung der Berufe angestrebt werden.

Sorgen bereitet dem Wirtschaftsministerium auch der Gedanke einer zunehmend spezialisierten Berufsausbildung. Dadurch würde die Fähigkeit zur Veränderung des Systems verloren gehen, Anpassungen an die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt würden zudem erschwert. Geeigneter wäre deshalb eine breitere Grundbildung in den Berufsfeldern und eine später einsetzende Spezialisierung.

Rückendeckung gab der Landesverband dem Wirtschaftsminister für die Einführung eines Azubi-Tickets. Dieses kann dazu beitragen, den (notwendigen) Rückzug der Berufsschulen aus der Fläche zu kompensieren. "Wir haben außerdem dafür geworben, die ausbildungsbegleitenden Hilfen auch künftig finanziell zu unterstützen. Denn diese helfen, dass Jugendliche mit besonderem Entwicklungsbedarf erfolgreich die Ausbildung absolvieren und damit eine Fachkräftereserve bilden", sagte Pätz.


Gespräche mit Kultusministerien geplant – Sie können dabei sein

In der Ministerialbürokratie befassen sich beratende Fachgremien mit Fragen der Berufsbildung. Das Wirtschaftsministerium ist sehr daran interessiert, diese Gremien mit Praxisexperten zu besetzen. Auch der VDMA Ost engagiert sich bereits aktiv. So wird der Landesverband auch künftig in der Fachkräfteallianz Sachsen und im Digitalbeirat Sachsen mitarbeiten.

Der VDMA Ost plant 2018 in Sachsen und in den anderen ostdeutschen Bundesländern Gespräche mit den Kultusministerien, um ganz konkret die Qualitätsdefizite in der Schulbildung und die daraus folgenden Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt zu adressieren. Authentisch werden diese Treffen erst mit Ihren Erfahrungen aus der Ausbildungspraxis. Wir bitten Sie daher um Ihre Unterstützung!

Sie haben Interesse und wollen sich beteiligen? Wir freuen uns auf Ihren Anruf oder Ihre E-Mail!
Alf Dahl
, Telefon 0341 521160-14, E-Mail alf.dahl@vdma.org