Arbeitswelt 4.0: Wie Sie Risiken eingrenzen und Chancen gestalten

Wolfgang Zeyen

Eine Fachtagung von VDMA Ost und IG Metall zu den Veränderungen in der Arbeitswelt zeigte: Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen auf betrieblicher Ebene gemeinsam unternehmensspezifische Lösungen und Konzepte finden.

Die digitalisierte Produktion wird auch die Arbeitswelt und Unternehmenskultur nachhaltig verändern. Eine Fachtagung von VDMA Ost und IG Metall hinterfragte den Wandel und zeigte konkrete Umsetzungsbeispiele aus dem Maschinenbau auf.

Den ausführlichen Bericht über alle Impulsvorträge, die einzelnen Fachforen sowie die Podiumsdiskussion finden Sie im Download-Bereich am Ende dieses zusammenfassenden Artikels.

 

Die Maschinen- und Anlagenbauer befinden sich bereits mitten im Umbruch. Berufsbilder, dringend benötigte Qualifikationen, die Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung sowie die innerbetriebliche Zusammenarbeit verändern sich. Etwa 100 Teilnehmer diskutierten deshalb im November 2017 in Schkeuditz darüber, wie sich Risiken eingrenzen und Chancen gestalten lassen. Dabei wurde deutlich: Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen auf betrieblicher Ebene gemeinsam unternehmensspezifische Lösungen und Konzepte finden.


Stärken der jungen Generation nutzen

Auch in der Fabrik der Zukunft wird die qualifizierte Facharbeit im Mittelpunkt stehen. "Der Mensch wird mehr denn je mit seinem Gespür und seinem individuellen Erfahrungsschatz für die Unternehmen von zentraler Bedeutung sein", betonte Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost.

Anforderungen wie eine höhere Flexibilität von Unternehmen und Beschäftigten, fachübergreifendes Arbeiten und die Kompetenzerweiterung lassen sich indes nur im Dialog zwischen Führungskräften und Belegschaften, Betriebsräten und Gewerkschaften bewältigen. Für die IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen ist dabei ein Rahmen gesetzlicher und tariflicher Regelungen unverzichtbar. "Entscheidend wird sein, den Beteiligungsprozess zu organisieren", sagte Bezirksleiter Olivier Höbel. Es müsse gelingen, die Interessen der Unternehmen und Mitarbeiter in Einklang zu bringen.

Oliver Habisch sieht die Digitalisierung als Herausforderung und Chance für die Mitarbeiter. "Wir erleben derzeit eine Verschiebung der Branchengrenzen. Maschinenbau und Informationstechnik wachsen zusammen", sagte der Geschäftsführer der Recogizer Analytics GmbH aus Bonn. Beschäftigte müssten deshalb Verständnis für komplexere Prozesse, IT-Affinität und analytische Fähigkeiten mitbringen. Erweiterte Kompetenzen ermöglichen aber auch neue Karrierechancen und abwechslungsreichere Tätigkeiten.


Ausbildungsinhalte anpassen

Steffen Opitz, Leiter Personal/Organisation bei der Dresdner Kühlanlagenbau GmbH, appellierte, die Ausbildung zu modifizieren. Allein der Generationswechsel mache Veränderungen notwendig. "Die Instrumente und Methoden, die junge Menschen aus ihrem privaten Umfeld kennen und schätzen, müssen wir in den beruflichen Alltag integrieren. Dafür sind digitalisierte Arbeitsmittel sehr gut geeignet", ist Opitz überzeugt. Sie helfen zusätzlich dabei, dass sich Fachkräfte ihren eigentlichen Aufgaben widmen können.

Das Forum Ausbildung offenbarte, dass noch viele Fragen offen sind, vor allem zu den erforderlichen Ausbildungsinhalten. Wichtig sei, bestehende Berufe an die neuen Anforderungen und Produktionsbedingungen anzupassen. Auch sollte sich die Ausbildung künftig verstärkt an den Erfordernissen des einzelnen Betriebes orientieren. Darüber hinaus müsse Prozesskompetenz die neue Grundbildung für Mitarbeiter werden, da vernetzte Produktionssysteme nur mit Prozesswissen gestaltbar sind. Genau dies spiegelt das noch junge, aber kaum verbreitete Berufsbild des Produktionstechnologen wider. Das Qualifikationsprofil ist auf die Digitalisierung und Prozessautomation ausgerichtet und sehr gestaltungsoffen.


Digitale Kompetenzen definiert

Das Fachforum Qualifizierung verdeutlichte, dass Weiterbildung in den Betrieben sehr unterschiedlich umgesetzt wird. Ähnlich wie beim Thema Ausbildung wissen die Unternehmen außerdem noch zu selten, welche neuen Qualifizierungsinhalte erforderlich sind. Antworten darauf, welche Fähigkeiten sich hinter der digitalen Kompetenz verbergen, liefert der Europäische Referenzrahmen für digitale Kompetenzen. Einig waren sich die Teilnehmer, dass Mitarbeiter und Bildungsträger in den Veränderungsprozess eingebunden werden müssen.

Die Teilnehmer des Fachforums Arbeitsorganisation befassten sich unter anderem mit den Folgen der digitalen Produktion für die Facharbeit, Arbeitszeitgestaltung und Mitarbeiterführung. Demnach können technische Hilfsmittel wie Assistenzsysteme die Arbeitsorganisation unterstützen. Uwe Grundmann, Leiter Produktionszentrum fahrbare Kompressoren bei der Kaeser Kompressoren SE in Coburg, erklärte, dass die steigenden Anforderungen und die höhere Eigenverantwortung die Facharbeit aufwerten. Erforderlich wird zudem eine neue Führungskultur. Das notwendige Maß an Flexibilisierung ist indes noch fraglich.


Veränderungen sind immer eine Herausforderung

Vertreter der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Politik betonten in einer Podiumsdiskussion, dass die sozialen Innovationen mit den technischen Innovationen Schritt halten müssen. Entscheidend sei, den Mitarbeitern die Vorteile aufzuzeigen. Mathis Kuchejda, Geschäftsführer der Schmidt + Haensch GmbH & Co. sieht beispielsweise IT-Lernhilfen als Chance, um Qualität reproduzierbar zu machen. Das setze einen hohen Erfahrungsschatz und Wissen voraus. Den Weiterbildungsbedarf der Mitarbeiter unterstützt er wie viele andere Unternehmen bereits heute – dies müsse nicht wie von Gewerkschaftern gefordert in einem Tarifwerk festgeschrieben werden.

VDMA Ost-Geschäftsführer Pätz sprach zahlreiche Defizite an, darunter die mangelhafte Kommunikationsinfrastruktur, die unzureichende Ausstattung der Berufsschulen und die ungenügende Qualifizierung von Berufsschullehrern. Weiter diskutiert werden müsse zudem, wie sich das Image der Facharbeit verbessern lässt. "Veränderungen sind immer eine Herausforderung. Technischer Fortschritt wirft auch häufig gesellschaftliche und ethische Fragen auf", ist sich Pätz bewusst. Umso wichtiger sei eine öffentliche und sachliche Diskussion.


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