Sorgen gefährden Erfolg: Vorstandsmitglied Jens Hertwig im Interview

shutterstock; N+P Informationssysteme

Der ostdeutsche Maschinenbau fuhr im ersten Quartal 2018 weiter in der Erfolgsspur. An welchen Stellen es dennoch hakt, erklärt Jens Hertwig, Geschäftsführer der N+P Informationssysteme GmbH aus Meerane sowie Vorstandsmitglied des VDMA Ost.

Herr Hertwig, der ostdeutsche Maschinenbau hat im ersten Quartal 2018 unbeirrt seinen Aufwärtstrend fortgesetzt. Was könnte den weiteren Erfolg gefährden?

Hertwig: Mit Sorge sehe ich die international zunehmenden politischen und wirtschaftspolitischen Spannungen. Aber auch unzureichende Rahmenbedingungen in Deutschland sind ein großes Risiko. Ich denke da zum Beispiel an fehlende Finanzierungsmöglichkeiten für kleinere Auslandsaufträge, den Bürokratismus, den langsamen Ausbau der Verkehrs- und Netzinfrastruktur oder das mangelhafte Qualifikationsniveau angehender Lehrlinge.

Trotz des fordernden Tagesgeschäfts und guter Auslastung dürfen Unternehmen zudem nicht vergessen, strategische Innovationen – Stichwort Digitalisierung – verbunden mit Effizienzmaßnahmen weiter voranzutreiben!


Viele Unternehmen beklagen einen zunehmenden Fachkräfteengpass.

Hertwig: Ja, das ist so. Wir bewegen uns hier auf dünnem Eis. Das erlebe ich auch in meinem Unternehmen N+P Informationssysteme. Der Fachkräfteengpass war 2017 und ist auch gegenwärtig das größte Hemmnis für das derzeit mögliche Wachstum. Für uns, unsere Kollegen sowie unsere Kunden im Maschinenbau steht dieses Thema noch vor fehlenden Aufträgen, Materialmangel und technischen Kapazitäten.

Wir erleben, dass Produktionskapazitäten nicht ausgeschöpft werden können und Aufträge im industrienahen Dienstleistungsbereich verschoben werden müssen, weil im Fachkräfte-Karussell ausscheidende Mitarbeiter nicht sofort adäquat ersetzt werden können. Es besteht die Gefahr, dass die Fachkräftelücke zur Wachstumsbremse Nummer 1 wird.


In welchen Bereichen gibt es die größten Probleme?

Hertwig: Die jüngste Konjunkturumfrage des VDMA Ost hat gezeigt, dass die betroffenen Unternehmen vor allem Schwierigkeiten haben, offene Stellen in Produktion und Entwicklung zu besetzen. Aber auch der Service und Vertrieb signalisieren Bedarfe, die sich gegenwärtig nicht ohne Weiteres decken lassen.

Ein besonderes Problem erkennen wir seit geraumer Zeit im IT-Segment. Heute reden alle von der Digitalisierung, doch es mangelt bereits extrem an Informatikern und interdisziplinär ausgebildeten IT-Fachleuten, beispielsweise im Bereich CAD/PDM/PLM oder ERM/MES, ganz zu schweigen vom Internet of Things.


Und welche Fachkräfte bereiten Sorgen?

Hertwig: Fast die Hälfte der betroffenen Betriebe hat Probleme, den Bedarf an Facharbeitern zu decken. Ich appelliere daher an Wirtschaft und Politik, noch stärker auf die duale Ausbildung zu setzen. Wichtig ist dabei das abgestimmte Zusammenspiel von Berufsschulen und Unternehmen. Außerdem müssen dringend die Ausbildungsinhalte auf den neuesten Stand gebracht und die Ausstattung der Berufsschulen verbessert werden.

Die erschwerte Suche nach Ingenieuren bereitet reichlich einem Drittel der Firmen Sorgen. Hier sehe ich vor allem in den Regionen die Berufsakademien und Fachhochschulen noch stärker in der Verantwortung.

Herr Hertwig, wir danken Ihnen für das Gespräch.