In USA ist Geschäft wahrscheinlicher als in Russland

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Der VDMA Ost und seine Mitglieder setzten im Frühjahr 2017 den Dialog mit Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig fort. Auf den Tisch kamen auch Probleme im Außenhandel.

Der VDMA Ost und seine Mitgliedfirmen haben im Frühjahr ihren Dialog mit der Landespolitik in Sachsen fortgesetzt. Im Mittelpunkt des diesjährigen Spitzengespräches Außenwirtschaft von Kammern und Verbänden mit Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig standen aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen.

"Internationalisierung ist wirtschaftliche Realität und Freihandelsabkommen bieten die Chance, diese aktiv zu gestalten", betonte er Ende März. Dulig wolle daher die Unternehmen künftig noch stärker zum Auslandsgeschäft ermuntern und die bestehenden Auslandskontakte weiterhin pflegen.


Risikofreudigere Förderung notwendig

An welchen konkreten Stellen politische Unterstützung unabdingbar ist, erklärte Dr. Jörg Lässig, Geschäftsführer der SITEC Industrietechnologie GmbH aus Chemnitz und Vorstandsmitglied des VDMA Ost. Er kritisierte unter anderem, dass die Außenwirtschaftsförderung nach wie vor an kleinen Unternehmen vorbeigehe. "Es fehlt eine etwas risikofreudigere und unbürokratische Förderung. So werden manchmal eher Hürden aufgebaut als beseitigt", sagte Lässig.

Zudem müsse vor allem kleineren Betrieben ein Herantasten und Ausprobieren ermöglicht werden. Ein Weg wäre, mehr Risikokapital bereitzustellen. Hier sind sowohl die Banken als auch die Politik gefragt.

Dr. Jörg Lässig sprach Probleme der Industrieunternehmen an. (Foto: SITEC)

Positive Impulse in den USA

Leidenschaftlich diskutierten die Teilnehmer die künftigen Marktchancen in den USA. Insbesondere der Maschinenbau müsse selbstsicher auftreten und sich seiner Stärke bewusst sein. "Ich halte protektionistische Erscheinungen eher für unwahrscheinlich. Vielmehr erwarte ich positive Impulse, auch weil mit Sicherheit Infrastrukturprogramme aufgelegt werden", bezog Lässig Position.

SITEC hat bereits vor der jüngsten Präsidentenwahl die Aktivitäten in den USA verstärkt. Eine direkte Kooperation mit einem Unternehmen vor Ort führe dabei teilweise zu deutlich objektiveren Informationen und praktikableren Vorgehensweisen. "Es ist derzeit wahrscheinlicher, in den USA Geschäfte zu machen als in Russland", beschrieb Lässig seine Erfahrungen.

Den russischen Markt bezeichnete der Unternehmer als "verbrannte Erde". Die Politik bemühe sich zwar, letztlich passiere aber nichts. "Dennoch ist es wichtig, den Kontakt zu Russland intensiv zu halten. Strategisch gesehen wird es auch in Russland Veränderungen geben, mit guten Ansätzen für den Maschinenbau", blickte Lässig in die Zukunft.


Sicherheitsproblem konterkariert Geschäftschancen

Ebenso im Fokus: die politischen Entwicklungen in Großbritannien und der Türkei. Während sich die Teilnehmer mit Spekulationen zu den Auswirkungen des Brexit zurückhielten, polarisierte die Debatte um das Engagement in der Türkei. Das Land stand in den vergangenen zwei Jahren im Fokus der sächsischen Außenwirtschaftsaktivitäten. Mittlerweile ziehen sich insbesondere die kleineren Unternehmen wieder.

Lässig zufolge verdeutlichen die Beispiele Türkei und Iran ein großes Problem. "Selbst, wenn sich die wirtschaftliche Situation in den Ländern gut entwickelt, muss der Export auch praktisch realisiert werden können. Schließlich müssen die Mitarbeiter in diese Länder reisen und dort arbeiten", sagte Lässig. Doch damit haben diese ein Problem – ein Sicherheitsproblem.