Industrieverantwortliche von Bund und Ländern an einem Tisch mit VDMA

VDMA Ost

Die Maschinenbau-Experten aus Bund und Ländern diskutierten Mitte Juni in Nordrhein-Westfalen mit Vertretern der VDMA-Landesverbände über aktuelle Branchenentwicklungen. Mit dabei war auch Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost.

Der VDMA Ost steht regelmäßig im Dialog mit der Politik – wie zuletzt beim Treffen der Maschinenbaureferenten des Bundes und aller Bundesländer sowie der VDMA-Landesverbände.

Diese jährlichen Diskussionsrunden haben mittlerweile Tradition – bieten sie doch die Möglichkeit, länderübergreifend branchenspezifische Themen zu erörtern. "Wir bringen die Industrieverantwortlichen aus ganz Deutschland an einen Tisch. Dabei profitieren sie in mehrfacher Hinsicht", sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost.

Zum einen informiert der Verband die Maschinenbau-Experten aus Bund und Ländern über aktuelle technologische sowie Marktentwicklungen und sensibilisiert für die Probleme der Branche. Gleichzeitig können sich die Teilnehmer über die Landesgrenzen hinweg austauschen.

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Die Schwerpunkte des Meinungs- und Erfahrungsaustauschs am 12./13.06.2017 bei der EMG Automation GmbH in Wenden orientierten sich an den derzeitigen unternehmerischen Herausforderungen. Die Teilnehmer sprachen vor allem über

  • die konjunkturelle Situation,
  • mögliche Szenarien und Auswirkungen des Brexit,
  • die Wirtschafts- und Handelspolitik der US-amerikanischen Regierung sowie
  • die Digitalisierungsaktivitäten der Bundesländer.


USA: Weiterhin gute Geschäftschancen

Ulrich Ackermann, Leiter der VDMA-Abteilung Außenwirtschaft, sprach über die handelspolitische Agenda der US-amerikanischen Regierung. Ihre Hauptziele:

  • das US-Handelsdefizit verringern,
  • die Produktion ins Land zurückverlagern,
  • bilaterale Abkommen anstelle multilateraler Abkommen schließen und
  • aggressiv die eigenen handelspolitischen Interessen verteidigen.


Mithilfe der geplanten Steuerreform sollen zudem Arbeitsplätze geschaffen und die Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden. Diskutiert wird darüber hinaus über eine Grenzsteuer, also Strafzölle auf die ins Ausland verlagerte Produktion sowie Importe generell.


"Made in America" geht so schnell nicht

Die Maßnahmen einer abschottenden Wirtschafts- und Handelspolitik sind zweifellos besorgniserregend. Dennoch bestehen auch künftig gute Chancen für Aufträge. „Made in America geht so schnell nicht“, ist Ackermann überzeugt. Außerdem werden auch weiterhin viele US-amerikanische Branchen auf ausländische Technologien angewiesen sein. Für den deutschen Maschinenbau waren die USA 2016 der wichtigste Handelspartner: mit Exporten von 16,3 Milliarden Euro (minus 2,9 Prozent) und Importen von 4,9 Milliarden Euro (minus 0,6 Prozent).

Wie wichtig deutsche Maschinenlieferungen für den Wohlstand und Arbeitsplätze in den USA sind, zeigen allein diese Zahlen für das Jahr 2014:

  • 81.100 hochwertige Arbeitsplätze deutscher Unternehmen in den USA
  • 32,4 Milliarden Euro Umsatz deutscher Unternehmen in den USA
  • qualifizierte Aus- und Weiterbildung vor Ort


Großbritannien: Weiter wie bisher?

Nach der Entscheidung für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union bleibt vorläufig alles beim Alten. Das Referendum ändert den Status Quo nicht. Großbritannien ist nach wie vor vollwertiges EU-Mitglied – auch gelten weiterhin die EU-Regeln rund um den Export nach Großbritannien, den Import von Gütern und Dienstleistungen aus Großbritannien sowie die Freizügigkeit von Arbeitskräften. Das betonte VDMA-Außenwirtschaftsexperte Ackermann.

Die Austrittsverhandlungen dauern 15 Monate und enden im Oktober 2018. Zusätzlich zum bilateralen Austrittsabkommen muss ein multilaterales Wirtschafts- und Statusabkommen verhandelt werden. Von Oktober 2018 bis Frühjahr 2019 folgt der Ratifizierungsprozess in den EU-Mitgliedstaaten. Falls sich die Verhandlungen verzögern, könnte Großbritannien jedoch auf den Status eines Drittlandes zurückfallen.


Unbürokratische Regelungen notwendig

Im Zusammenhang mit den Verhandlungen fordert der VDMA

  • einfache und unbürokratische Regeln eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und Großbritannien,
  • Ursprungsregeln, die sich an den bestehenden Ursprungsregeln in den Abkommen der EU mit den EFTA-Staaten oder den Mittelmeerstaaten orientieren,
  • den Erhalt etablierter Wertschöpfungsketten,
  • freien Zugang für Monteure deutscher Maschinenbauer nach Großbritannien sowie die Freiheit der Mitarbeiterentsendung in eigene Niederlassungen vor Ort und
  • die exportkontrollrechtliche Behandlung von Großbritannien analog der bereits bestehenden erleichterten Verfahren für die Schweiz, Norwegen, die USA, Japan etc.


Darüber hinaus muss Großbritannien zeitnahe bilaterale Vereinbarungen treffen und während des Übergangs gewährleisten, dass lokalen Unternehmen in Großbritannien keine Nachteile entstehen. Weitere VDMA-Forderungen beziehen sich auf technische Regulierungen, das Gesellschaftsrecht, Urheberrecht, die Steuerpolitik und Investitionen.


Digitalisierung: Aktivitäten koordinieren

Neben den marktpolitischen Themen standen die Digitalisierungsstrategien der einzelnen Bundesländer im Fokus. Die Berichte verdeutlichten, dass die Länder verschiedene Ansätze und Schwerpunkte verfolgen. So setzen einige Bundesländer auf einen ganzheitlichen Ansatz, der die Gesellschaft, Verwaltung und Wertschöpfung einschließt. Andere konzentrieren sich auf Schwerpunktindustrien wie den Maschinenbau.

Zahlreiche, teilweise nicht mehr überschaubare Aktivitäten und öffentliche Studien erschweren den Unternehmen die Orientierung. Darüber hinaus haben die Firmen und der Verband häufig keine zeitlichen und personellen Kapazitäten, um in Gremien und Initiativen mitzuwirken – dies umso weniger, wenn ein Landesverband wie der VDMA Ost sechs Bundesländer (einschließlich Berlin) betreut.


Zusammenarbeit der Länder angemahnt

In der Praxis gibt es bereits zahlreiche Lösungen und Umsetzungsbeispiele. Die teils hektische Betriebsamkeit geht daher häufig an den Bedarfen der Betriebe und Forschungseinrichtungen vorbei. Umso wichtiger ist es, die Aktivitäten in den einzelnen Bundesländern zu bündeln und auf die tatsächlichen Erfordernisse vor allem der kleineren Unternehmen zu fokussieren.

"Die Bundesländer müssten viel häufiger über ihre Grenzen hinaus zusammenarbeiten. Gerade bei einem so wichtigen Thema wie der Digitalisierung sollte man sich zusammenschließen und gemeinsam nach den besten Wegen suchen", mahnte Pätz. Die Maschinenbau-Referenten stimmten dem Vorstoß des VDMA Ost-Geschäftsführers zu.


Fortsetzung folgt – Ihr Kontakt zum VDMA Ost

Die Teilnehmer profitieren in ihrer täglichen Arbeit von der Weiterbildungsveranstaltung und den länderübergreifenden Kontakten. Daher werden die Maschinenbau-Experten aus Bund und Ländern auch im kommenden Jahr die Chance nutzen, voneinander zu lernen und "über den Tellerrand zu schauen".

Sie haben Fragen zur Interessenvertretung des VDMA Ost oder speziell zum Maschinenbaureferenten-Treffen? Dann sprechen Sie uns bitte an:
Kontakt: Reinhard Pätz, Telefon 0341 521160-13, E-Mail

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