Maschinenbau zum Anfassen: Lehrer und Berufsberater bei SONOTEC

SONOTEC, VDMA Ost

Ein gewinnbringender Tag für den Maschinenbau: Lehrer und Berufsberater informierten sich kürzlich bei SONOTEC in Halle über den Geschäftsalltag eines modernen Mittelständlers und die Perspektiven für Nachwuchskräfte.

Digitalisierung ohne Maschinenbau und Elektrotechnik? Das ist unmöglich. Vielmehr steht der Maschinen- und Anlagenbau als Ausrüster sowie Umsetzer neuer Technologien für zukunftsgerichtete Arbeitsplätze. Doch wie verändert die Digitalisierung die Geschäftsmodelle des Maschinenbaus? Und welche Arbeitsplätze wird es künftig für Fachkräfte in der Branche geben? Darüber informierten sich 20 wissensdurstige Lehrer und Berufsberater während einer Fortbildung am 20.06.2018 bei der SONOTEC Ultraschallsensorik Halle GmbH.

Die Multiplikatoren erhielten wertvolle Informationen zum Geschäftsalltag eines modernen Mittelständlers und erlebten live die Chancen der Digitalisierung. Das Ziel: Sie sollen künftig junge Menschen noch stärker für Industrieberufe in der Region begeistern.

Den Bericht sowie eine Pressemitteilung können Sie am Ende des Artikels als pdf-Dokumente herunterladen.

 

Lehrer aufgeschlossen für Digitalisierung

"Die Digitalisierung unserer Gesellschaft ist seit mehr als zehn Jahren im Gange. Die Entwicklung sollte uns keine Angst machen, sondern eher Ansporn sein, sie mitzugestalten", betonte SONOTEC-Geschäftsführer Hans-Joachim Münch zum Auftakt der Veranstaltung.

In praxisnahen Vorträgen und einem Rundgang durch die Fertigungsräume vermittelte die Führungsmannschaft des Spezialisten für Ultraschallprüf- und messtechnik ein umfassendes Bild vom Hightech-Maschinenbau sowie von den facettenreichen Aufgaben und beruflichen Perspektiven für Ingenieure und Fachkräfte. Die Teilnehmer erfuhren aus erster Hand, wie der Weg von der Grundlagenforschung zum Produkt gelingt. Sie lernten technische Trends und die vielschichtigen Anforderungen an Mitarbeiter eines weltweit agierenden Mittelständlers kennen. Ein besonderer Fokus lag dabei auf den neuen Möglichkeiten, die sich aus der Digitalisierung und Vernetzung ergeben.

"Mit der Digitalisierung verbinde ich mehr Chancen als Risiken, zum Beispiel Arbeitserleichterungen und damit die Möglichkeit, länger im Erwerbsprozess zu verweilen", sagte Anke Schneider von der Arbeitsagentur Halle. "Als Maschinenbauingenieur wollte ich immer mit Menschen zusammenarbeiten. Daher habe ich mich nach meinem Studium entschieden, bei der Bundesagentur für Arbeit zu beginnen. Ich möchte vor allem erfahren, welche Qualifikationen in einer digitalisierten Produktion gefragt sind, um meine Kunden besser beraten zu können", erklärte Alexander Kluge vom Jobcenter Dessau-Roßlau seine Erwartung.


Gute Aussichten für qualifizierte Mitarbeiter

Den Gründern Dr. Santer zur Horst-Meyer und Hans-Joachim Münch war es 1991 nicht nur wichtig, die Technik des Ultraschalls in Halle – das damals als Zentrum dieser Technologie galt – weiterzuentwickeln. Sie wollten auch qualifizierten Mitarbeitern eine Perspektive bieten. Dies war deshalb von Anfang an im Leitbild des Unternehmens verankert.

Ebenfalls fest stand, dass sich SONOTEC nicht nur auf den Musterbau konzentrieren, sondern eine Fertigung aufbauen will, um vor Ort Wertschöpfung zu erzielen. Der Fokus lag zunächst auf Ultraschallsensoren für die Medizintechnik. Heute fertigen, entwickeln und vertreiben rund 160 Mitarbeiter die gesamte im Unternehmen entwickelte Ultraschalltechnik selbst. Von den individuellen Lösungen profitieren unter anderem Anwender der Medizintechnik, der Biotechnologie, der chemischen Industrie, des Maschinenbaus und der Automatisierungstechnik.


Mutige Entscheidung: Digitale Ultraschallprüftechnik ist Erfolgsgarant

Maßgeblich dazu beigetragen hat die Entscheidung aus dem Jahr 2013, in die digitale Ultraschallprüftechnik zu investieren. "Damals standen wir vor der Frage: entweder weiterhin in die Bestandstechnologie investieren oder etwas völlig Neues versuchen", blickte Vertriebsmanager Christian Schreiber zurück. Diese für ein mittleres Unternehmen mutige Entscheidung wurde erst mithilfe eines Netzwerks von Forschungsreinrichtungen sowie der öffentlichen Forschungsprojektförderung möglich – und hat sich jetzt zweifellos ausgezahlt.

Schreiber stellte den Entwicklungsprozess des Unternehmens am Beispiel von SONAPHONE vor, einem digitalen Ultraschallprüfgerät für die vorbeugende Instandhaltung. Die Idee war, Instandhaltern ein Produkt an die Hand zu geben, mit dem man beginnende Schäden an Maschinen hören kann. Heute fällt dies unter den Begriff Predictive Maintenance, vorausschauende Wartung.

Die analoge Technik ermöglichte nur eine feste Frequenz. Eine simultane Analyse und damit breitbandige Aufnahme ließ sich indes lediglich mit einer digitalen Verarbeitung und hohen Rechnerleistung realisieren. Als sich die Smartphones durchsetzten, überlegte SONOTEC im Jahr 2009, wie es die Technologie für die Instandhaltung nutzen kann. Die Idee vom SONAPHONE als "industriellem Smartphone" war geboren, seit 2016 ist es auf dem Markt. Unternehmen können mit dem Gerät den störungsfreien Betrieb von Maschinen sichern sowie Energie sparen. Mögliche Verschleißerscheinungen und Schäden an Maschinen und Anlagen lassen sich zuverlässig und vor allem frühzeitig erkennen. Teure Maschinenausfälle gehören der Vergangenheit an.


Enges Zusammenspiel von Entwicklung und Vertrieb

Geholfen haben dem Unternehmen das Netzwerk und die öffentliche Unterstützung, aber auch ein Team, dessen Mitarbeiter verschiedene Qualifikationen, Erfahrungen und Sichtweisen mitbringen. "Der Vertrieb versteht wenig von der Entwicklung von Apps, der Softwareingenieur weiß wenig von dem, was der Kunde tatsächlich benötigt", fasste es Schreiber zusammen. Er verwies zudem auf wichtige Anforderungen an die Mitarbeiter in der digitalen Produktion wie interdisziplinäres Arbeiten und Teamfähigkeit. Außerdem müssen sie ihr spezielles Fachwissen in die Problemlösung einbringen können.

Je wichtiger eine Maschine für den Produktionsprozess ist, desto eher geben Kunden Geld für Sensoren aus. Mit deren Einsatz fallen jedoch auch vermehrt Daten an. Werden diese intelligent ausgewertet, lassen sich weitere Potenziale in der digitalen Fabrik erschließen. Ein Beispiel: Druckluftanlagen sind in Industrie und Handwerk nach wie vor die (un)heimlichen Energieverbraucher. Etwa ein Drittel der Druckluft geht aufgrund von Lecks verloren. "Das SONAPHONE hilft dabei, solche Lecks zu finden", erklärte Schreiber.


Blick in die Fertigung

Bevor man sich mit der Digitalisierung der Geschäftsprozesse auseinandersetzt, sollten die Prozesse optimiert werden. Andernfalls gerate jedes System schnell an seine Grenzen, schilderte Marcel Pfeiffer, Leiter Sensorfertigung bei SONOTEC. Die Digitalisierung der Fertigung trägt zudem wesentlich dazu bei, die Qualität zu sichern und die Rückverfolgbarkeit der Produkte zu garantieren. Diese elementaren Eigenschaften überzeugen die SONOTEC-Kunden.

Bei einem Betriebsrundgang machten sich die Lehrer und Berufsberater selbst ein eindrucksvolles Bild vom Unternehmensalltag. Sie bekamen die Gelegenheit, hinter die Kulissen der Fertigungsbereiche zu blicken. Dabei lernten sie Arbeitsplätze kennen, die hohe Anforderungen an die feinmotorischen Fähigkeiten der Mitarbeiter sowie an den Umgang mit IT-Systemen stellen. Ebenfalls deutlich wurde, dass die Beschäftigten auch in den manuellen Fertigungsprozessen technisches Verständnis haben und verschiedene unterstützende Geräte bedienen können müssen.


Viele gute Ideen für Schulprojekte

"Die Veranstaltung hat hoffentlich gezeigt, dass die Unternehmen auch weiterhin Menschen benötigen, die mit ihrer Facharbeit Wertschöpfung schaffen. Und dass wir Ihnen Wertschätzung für ihre Arbeit entgegenbringen müssen", sagte Personalleiterin Manuela Münch. Der Mensch werde auch künftig eine wichtige Rolle spielen – wenn auch mit veränderten Qualifikationen – und die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Sorge bereitet dem Unternehmen sowie den Berufsberatern der Bundesagentur für Arbeit jedoch die Vielfalt der Industrieberufe für die Metall- und Elektroindustrie. Dies erschwere es potenziellen Interessenten, die richtige Berufswahl zu treffen.

Stolz ist SONOTEC darauf, dass alle Ausbildungsstellen für das kommende Jahr bereits besetzt sind – und das, obwohl die Plätze verdoppelt wurden. Das Unternehmen bildet derzeit sechs junge Menschen aus. Sie lernen unter anderem den Beruf des Industriemechanikers und des Elektronikers für Geräte und Systeme. Ein Baustein für den Erfolg war der Kontakt zu den Schulen in der Region.

Für die Teilnehmer war der Tag gewinnbringend. "Ich habe heute viele gute Ideen dafür bekommen, wie ich künftig Digitalisierungsthemen in Schulprojekte einbinden und wie ich darüber Begeisterung für Technik wecken kann", freute sich Marc Neuhaus, Lehrer an der Sekundarschule Johann Christian Reil in Halle. Außerdem wissen die Lehrer und Berufsberater nun, dass die Digitalisierung auch Chancen für Jugendliche mit besonderem Entwicklungsbedarf bietet. Sie können im Arbeitsprozess von Assistenzsystemen unterstützt werden.


Ihr Kontakt zum VDMA Ost

Der VDMA Ost bietet gemeinsam mit seinen Mitgliedern regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen für Pädagogen, Berufs- und Studienberater an.

Wollen Sie der nächste Gastgeber sein? Oder haben Sie Fragen und Anregungen zu dieser Veranstaltung? Wir freuen uns auf Ihren Anruf oder Ihre E-Mail!
Alf Dahl, Telefon 0341 521160-14, E-Mail

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