Erfolgreiches Gespräch: Thüringens Bildungsminister will in Qualifizierung von Berufsschullehrern investieren

VDMA Ost

Die Thüringer Berufsschullandschaft kann mit der Digitalisierung in der Industrie nicht Schritt halten. Über Defizite und Maßnahmen diskutierten deshalb VDMA Ost, IHK Ostthüringen, Unternehmer und Bildungsminister Holter.

Im Zuge der Digitalisierung von Produktionsprozessen verändert sich die Arbeitswelt. Und damit steht den Maschinen- und Anlagenbauern auch in der Berufsausbildung ein Umbruch bevor. Bei der Digitalisierung der Berufsausbildung stehen die Unternehmen jedoch vor großen Herausforderungen, seien es Hemmnisse wie Datenschutz und IT-Sicherheit, grundsätzliche Befürchtungen oder Fragen zur Umsetzung. Das zeigte jüngst ein Erfa des VDMA Ost zu neuen Medien im Ausbildungsalltag.

Doch nicht nur die Unternehmen sind gefragt, geeignete Antworten zu finden. Auch die Berufsschulen als Partner der Unternehmen in der beruflichen Bildung müssen aktiv werden. Darüber sprachen der VDMA Ost, die IHK Ostthüringen und Unternehmensvertreter Ende Dezember 2018 mit Thüringens Bildungsminister Helmut Holter.


Berufsschulen hinken Entwicklung hinterher

Der Status Quo ist ernüchternd: In der Thüringer Berufsschullandschaft existiert wenig Wissen rund um die Digitalisierung und die rechnergestützte Fertigung. Punktuell werde zwar in die technische Ausstattung investiert, die kontinuierliche Qualifizierung der Berufsschullehrer bleibe indes auf der Strecke, haben Udo Staps, Geschäftsführer der FKT Formenbau und Kunststofftechnik GmbH und im Ehrenamt Vizepräsident der IHK Ostthüringen und Vorstandsmitglied im VDMA Ost, sowie Jan Scharffenberg, Konzernausbildungsmanager bei DECKEL MAHO Seebach GmbH, beobachtet.

Es gehe nicht nur darum, Bildungsmedien zu digitalisieren. Vielmehr muss hinterfragt werden, welche Kompetenzen für die digitalisierte Produktion sich in welcher Weise am besten vermitteln lassen, betonten sie.

Mit der Teilnovellierung der Berufsbilder in der Metall- und Elektroindustrie wurden die Berufsbilder bereits modernisiert. Deshalb komme es jetzt darauf an, die Berufsschulen mit auf diese Reise zu nehmen – nur dann ist eine arbeitsteilige Ausbildung auf „Augenhöhe“ möglich. Hierfür fehlen jedoch noch häufig die passenden Konzepte sowie angepasste Lehrplaninhalte, kritisierten VDMA Ost, IHK und die Unternehmensvertreter.


Anforderungen an die Qualifizierung

Einig waren sich die Gesprächspartner darin, dass

  • der Qualifizierung der Berufsschullehrer ein höherer Stellenwert eingeräumt werden muss. Holter zufolge wäre es wünschenswert, wenn die Berufsschullehrer selbst Impulse setzen und damit nicht nur Schritt halten können mit den Entwicklungen in den Unternehmen, sondern den Ausbildern in den Unternehmen einen Schritt voraus wären – davon sind sie derzeit aber noch weit entfernt.
  • die Qualifizierung kontinuierlich und nicht nur produktbezogen erfolgen soll.
  • die Digitalisierung sowohl eine Qualifizierung in den Inhalten als auch in den einzusetzenden Methoden erfordert.
  • Qualifizierungsmaßnahmen, die bereits für Ausbilder konzipiert wurden, ebenso für Berufsschullehrer genutzt werden können.


Künftig wollen alle Teilnehmer gemeinsam verstärkt in die Qualifizierung der Berufsschullehrer investieren. So räumte Minister Holter eine Schwachstelle in den eigenen berufsfeldbezogenen Qualifikationsmaßnahmen ein. Unternehmen können sich mit ihren Ausbilderkonzepten einbringen.


Lernortkooperation ausbauen

Darüber hinaus sollen die Lernortkooperationen zwischen Unternehmen und Berufsschule weiter ausgebaut werden. Gerade im Zuge der Digitalisierung wird der Austausch zwischen Lehrern und Ausbildern immer wichtiger werden, um aktuelle Entwicklungen aus den Unternehmen in die Berufsschulen zu transportieren. Daher stieß das Angebot der Wirtschaft, entsprechende Qualifizierungsangebote für Berufsschullehrer zu öffnen, auf offene Ohren des Ministers. Holter rechnete den Unternehmensvertretern hoch an, dass sie eigene Lösungen vorgeschlagen und nicht vordergründig Ideen der öffentlichen Hand nachgefragt haben.

Konkret vereinbart wurde zudem, zeitnah die formalen Rahmenbedingungen für eine engere Zusammenarbeit auf Arbeitsebene abzustecken. Ziel ist eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Nachwuchsstiftung Maschinenbau und dem Thüringer Bildungsministerium.


Ihre Fragen an den VDMA Ost

Sie haben Fragen zum Gespräch oder Anregungen für die künftige Interessenvertretung gegenüber der Politik? Dann sprechen Sie uns bitte an!
Reinhard Pätz, Geschäftsführer VDMA Ost: Telefon 0341 521160-13, E-Mail