Maschinenbauer in der Hauptstadtregion traten 2018 auf der Stelle

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Eine durchwachsene Bilanz führt im Maschinen- und Anlagenbau der Hauptstadtregion zu Stillstand. Das zeigen die 2018er-Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg.

  • Berliner Unternehmen mit Ausnahmestellung in Ostdeutschland
  • Brandenburger Betriebe verlieren Schwung des Vorjahres
  • Verband zuversichtlich für 2019


Leipzig, 08. März 2019 – Die Maschinen- und Anlagenbauer der Hauptstadtregion blicken auf ein solides Jahr 2018 zurück. Sowohl in Berlin als auch in Brandenburg zeigte zwar die Umsatzkurve im Vergleich zu 2017 nach unten. Bei den Mitarbeiterzahlen steht indes ein Plus. Das geht aus den veröffentlichten Daten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg hervor.


Berlin: Leichter Umsatzrückgang – höchste Exportquote in Ostdeutschland

Der Berliner Maschinenbau hat 2018 das gute Umsatzergebnis des Vorjahres knapp verfehlt. Demnach verkauften die 34 Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern Maschinen, Anlagen und Komponenten im Wert von nahezu 2 Milliarden Euro. Gegenüber 2017 sank der Gesamtumsatz um 0,8 Prozent beziehungsweise etwa 17 Millionen Euro.

Ausschlaggebend hierfür war das leicht rückläufige Auslandsgeschäft. Während die Binnennachfrage um 0,5 Prozent beziehungsweise fast 3 Millionen Euro zulegte, fiel der Auslandsumsatz um 1,4 Prozent beziehungsweise 20 Millionen Euro auf zirka 1,4 Milliarden Euro. "Der Berliner Maschinenbau ist sehr stark exportorientiert. Ob die minimal nachlassende Dynamik auf natürliche Auftragsschwankungen zurückzuführen oder eine erste Folge der zahlreichen geopolitischen Unsicherheiten und Handelshemmnisse ist, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht zuverlässig bewerten", sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA-Landesverbandes Ost.

Dennoch ist die internationale Ausrichtung der Berliner Unternehmen unverändert hoch. 2018 exportierten sie fast dreiviertel ihrer Produkte (71,3 Prozent). Dies entspricht in etwa dem Wert von 2017, als mit 71,8 Prozent die höchste Exportquote seit dem politischen Umbruch 1990 erzielt wurde. Zugleich erreichte Berlin erneut als einziges ostdeutsches Bundesland annähernd die bundesweite Exportquote von 79 Prozent.

Einen Aufwärtstrend verzeichnete die Branche bei der Beschäftigtenzahl. In den Firmen mit mindestens 50 Mitarbeitern arbeiteten im Jahr 2018 durchschnittlich 9.168 Menschen – ein Plus von 2 Prozent beziehungsweise fast 200 Beschäftigten gegenüber 2017. Bereits im Vorjahr hatten die Unternehmen ihren Mitarbeiterstamm erhöht.

"Es ist erfreulich, dass die Berliner Unternehmen ihre Belegschaften weiter aufbauen. Wir dürfen aber nicht die Augen davor verschließen, dass trotzdem viele Maschinenbauer Schwierigkeiten haben, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden", bekräftigt Pätz. Neben Materialengpässen gehört der Arbeitskräftemangel derzeit zu den größten Produktionshindernissen.


Brandenburg: Weniger Umsatz – Mitarbeiterzahl konstant

Die Brandenburger Maschinen- und Anlagenbauer mussten 2018 einen Dämpfer hinnehmen. Die 30 Unternehmen setzten Waren im Wert von etwa 598 Millionen Euro um. Das ist ein Minus von 8,9 Prozent beziehungsweise 59 Millionen Euro gegenüber 2017. Damit rangiert Brandenburg beim Gesamtumsatz im ostdeutschen Vergleich weiterhin an letzter Stelle.

Die Gründe für den Rückgang sind Pätz zufolge vielfältig. So hatten die Betriebe 2017 ihren Umsatz überdurchschnittlich auf den höchsten Wert seit 2008 gesteigert. "Dies unter den unsicheren globalen Rahmenbedingungen zu wiederholen, war schwierig. Das bestätigt auch der geschrumpfte Auslandsumsatz", zeigt Pätz auf. "Es ist zudem denkbar, dass Sondereffekte, beispielsweise ein Großauftrag, das Ergebnis von 2017 forciert haben. Zudem wurden 2018 in der Statistik weniger Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern geführt. Auch das wirkt sich auf den Umsatz aus", ergänzt er.

Der Auslandsumsatz sank im Vergleich zu 2017 um 22,2 Prozent beziehungsweise 67 Millionen Euro auf etwa 236 Millionen Euro. Damit rutschte die Exportquote erstmals seit zehn Jahren wieder unter die 40-Prozent-Marke (39,6 Prozent). Pätz verweist in dem Zusammenhang auf die kleineren Betriebsgrößen, welche die Auslandsaktivitäten erschweren. Zudem ist in der Region die Zulieferstruktur stark ausgeprägt, so dass viele Unternehmen eher indirekt am Export beteiligt sind.

"Doch langfristig erfolgreich sein werden die Betriebe nur, wenn sie ihre Auslandsaktivitäten intensivieren. Daher betrachte ich die niedrige Exportquote mit Sorge", betont der Landesverbands-Geschäftsführer. Im Ranking der ostdeutschen Bundesländer einschließlich Berlin verkaufte kein anderes ostdeutsches Bundesland prozentual weniger Produkte ins Ausland. Besonders groß ist auch die Diskrepanz zur Exportquote des gesamtdeutschen Maschinen- und Anlagenbaus von 79 Prozent.

Die Mitarbeiterzahl blieb 2018 nahezu konstant. In den Firmen arbeiteten durchschnittlich 4.192 Menschen. Das waren 0,6 Prozent beziehungsweise 27 mehr als im Jahr zuvor.


Für 2019 Konsolidierung erwartet

Für das laufende Jahr erwartet der Verband, dass die Unternehmen der Hauptstadtregion mindestens an das Niveau von 2018 anknüpfen. "Wenn sie weiterhin neue Produkte, Services und Geschäftsmodelle entwickeln, alternative Märkte erschließen und die eigenen Prozesse verbessern, können sie auch den globalen Unwägbarkeiten trotzen", ist Pätz überzeugt. Zu diesen gehören ein verlangsamtes Wachstum der Weltwirtschaft, die internationalen Handelsstreitigkeiten, die verhärteten Fronten rund um den EU-Austritt Großbritanniens, die Marktentwicklung in China und den USA sowie die Verschuldungskrise Italiens.

An Brandenburgs Politik appelliert er darüber hinaus, auch im Wahljahr weiter an Zukunftskonzepten für Themen wie Verkehrsinfrastruktur, Digitalisierung und Bildung zu arbeiten.

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