Ostdeutscher Maschinenbau 2020 ohne Schwung

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Für viele ostdeutsche Maschinenbau-Unternehmen war 2020 ein schwieriges Jahr. Branchenumsatz und Beschäftigung gingen deutlich zurück – nur Mecklenburg-Vorpommern behauptete sich in der Krise.

2020 war für viele Unternehmen des ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbaus ein besonders schwieriges Jahr. Sie mussten sich bekannten Herausforderungen stellen, wie

  • der sinkenden Nachfrage aufgrund der abgekühlten Weltkonjunktur,
  • der schwachen Auftragslage infolge schwelender globaler Handelskonflikte und
  • dem Strukturwandel in Automobilindustrie sowie Energiesektor.

Zusätzlich bremste die Coronavirus-Pandemie die Betriebsabläufe und Geschäfte aus.

 

Die mit vielen Unsicherheiten verbundene Situation spiegelte sich letztlich auch in der Jahresbilanz wider: Der Gesamtumsatz der Branche gab deutlich nach. Dabei verzeichneten mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern alle Bundesländer Einbußen – diese fielen jedoch unterschiedlich stark aus. Abweichungen gab es auch zwischen einzelnen Fachzweigen.

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Auftragseingang

Die Kunden des ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbaus hielten sich fast im gesamten Jahresverlauf 2020 stark mit neuen Aufträgen zurück. Lediglich in zwei Monaten registrierte die Branche ein leichtes Orderplus. Im Gesamtjahr sanken die Bestellungen für Maschinen, Anlagen, Komponenten und Services um 13 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Maßgeblich dafür waren fehlende Impulse aus dem Ausland: Das internationale Geschäft wies ein kräftiges Minus von 18 Prozent auf.


Gesamtumsatz

In den Jahren 2017 bis 2019 spielten die ostdeutschen Maschinenbau-Unternehmen die höchsten Umsätze seit dem politischen und wirtschaftlichen Umbruch 1990 ein. 2020 wurde diese Entwicklung abrupt gestoppt. Der Jahresumsatz der 478 statistisch erfassten Betriebe mit mindestens 50 Beschäftigten fiel 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 13,1 Prozent beziehungsweise fast 2,5 Milliarden Euro auf 16,38 Milliarden Euro. Einen ähnlichen Wert wies die Statistik zuletzt 2014 auf.

Im Branchenranking der ostdeutschen Bundesländer einschließlich Berlin verbuchten 2020 erneut Sachsens Firmen den höchsten Umsatz. Allerdings mussten sie auch die deutlichsten Einbußen verkraften – in den Büchern stand am Jahresende ein Minus von etwa 19 Prozent (2020: 6,71 Milliarden Euro – 2019: 8,31 Milliarden Euro). Ebenfalls prozentual zweistellige Minusraten meldeten Berlin, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Vergleichsweise moderat fiel der prozentuale Umsatzrückgang in Brandenburg aus (minus 4,2 Prozent).

Ein positives Zeichen sendete Mecklenburg-Vorpommern. Die Firmen steigerten ihren Gesamtumsatz um 4,8 Prozent auf 2,28 Milliarden Euro, den drittbesten Wert der Historie. Wie nachhaltig das Ergebnis ist, wird sich jedoch erst im kommenden Jahr zeigen. 2020 sicherten Großaufträge ausländischer Kunden das gute Ergebnis. Außerdem beeinflusste ein Sondereffekt die Jahresbilanz: Die Statistik 2020 wies drei Betriebe mehr aus als 2019.


Das Umsatz-Ranking

  1. Sachsen: 6,71 Milliarden Euro
  2. Thüringen: 2,86 Milliarden Euro
  3. Mecklenburg-Vorpommern: 2,28 Milliarden Euro
  4. Sachsen-Anhalt: 2,12 Milliarden Euro
  5. Berlin: 1,82 Milliarden Euro
  6. Brandenburg: 0,60 Milliarden Euro

 

Pro-Kopf-Umsatz

Beim Pro-Kopf-Umsatz hatte wiederholt Mecklenburg-Vorpommern klar die Nase vorn.
347.600 Euro erzielte jeder Mitarbeiter – fast 2,4 Mal so viel wie die Beschäftigten in Brandenburg, das den letzten Platz im Branchenranking der ostdeutschen Bundesländer einnimmt.

Die Unterschiede können entstehen infolge

  • der Marktstellung (Nische schlägt Massenmarkt),
  • der erzielten Preise für Produkte und Dienstleistungen,
  • der Produktivität,
  • des Eigenanteils von Forschung und Entwicklung,
  • des Stands im Produktlebenszyklus (Produkteinführung – vom Markt angenommenes Produkt),

aber auch infolge

  • der innerbetrieblichen Prozesseffizienz und
  • der nachgelagerten Kosten wie für Logistik.

 

2020 hat nur Berlin seinen Pro-Kopf-Umsatz gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Während der Wert in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern stagnierte, sank er in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Zum Vergleich: Im gesamtdeutschen Maschinen- und Anlagenbau betrug 2019 der Pro-Kopf-Umsatz 215.200 Euro (Quelle: Statistikportal Statista). Neuere Zahlen lagen Mitte März 2021 noch nicht vor. Auf dieser Basis lagen die drei Erstplatzierten Mecklenburg-Vorpommern und Berlin über dem Durchschnitt.


Das Pro-Kopf-Umsatz-Ranking

  1. Mecklenburg-Vorpommern: 347.601 Euro/Mitarbeiter
  2. Berlin: 231.920 Euro/Mitarbeiter
  3. Sachsen: 189.644 Euro/Mitarbeiter
  4. Thüringen: 180.565 Euro/Mitarbeiter
  5. Sachsen-Anhalt: 174.346 Euro/Mitarbeiter
  6. Brandenburg: 147.375 Euro/Mitarbeiter

 

Auslandsumsatz

Das fehlende Auslandsgeschäft setzte dem ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau im Jahr 2020 heftig zu. Die Betriebe mit mindestens 50 Beschäftigten verkauften Produkte
und Services im Wert von 8,66 Milliarden Euro – das waren 15,5 Prozent beziehungsweise 1,58 Milliarden Euro weniger als 2019.

Zwischen den einzelnen Bundesländern waren zum Teil starke Abweichungen zu beobachten. Den stärksten prozentualen Einbruch erlebten Sachsen (minus von 27,8 Prozent) und Brandenburg (minus 18,4 Prozent). Doch auch die Berliner (minus 13,7 Prozent) und Thürin­ger Firmen hatten schwer zu kämpfen (minus 13,8 Prozent).

Mecklenburg-Vorpommern hingegen steigerte seinen Auslandsumsatz im Vergleich zum Vorjahr. Mit einem Plus von mehr reichlich 10 Prozent auf 1,68 Milliarden Euro erreichte die Branche ihren bisher zweithöchsten Wert – und bestätigte die im Vorjahr erreichte Position im ostdeutschen Ranking.


Das Auslandsumsatz-Ranking

  1. Sachsen: 3,26 Milliarden Euro
  2. Mecklenburg-Vorpommern: 1,68 Milliarden Euro
  3. Thüringen: 1,28 Milliarden Euro
  4. Berlin: 1,22 Milliarden Euro
  5. Sachsen-Anhalt: 0,99 Milliarden Euro
  6. Brandenburg: 0,24 Milliarden Euro

 

Exportquote

Die historischen Ausgangsbedingungen, die Betriebsgrößen und die stark ausgeprägte Zulieferstruktur im ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau beeinflussen nach wie vor den Anteil des internationalen Geschäfts am Gesamtumsatz. Nachholbedarf besteht in besonderer Weise für die Unternehmen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen – diese Bundesländer verkaufen im ostdeutschen Vergleich regelmäßig am wenigsten Produkte und Dienstleistungen ins Ausland.

In den vergangenen Jahren erreichte nur Berlin annähernd die bundesweite Exportquote von etwa 79 Prozent. 2019 gelang dies auch Mecklenburg-Vorpommern. Infolge eines Sondereffekts schob sich das Bundesland sogar an die Spitze im ostdeutschen Ranking. Zugleich wirkte sich die Entwicklung positiv auf den ostdeutschen Branchendurchschnitt aus. Die durchschnittliche Exportquote aller ostdeutschen Bundesländer einschließlich Berlin übersprang 2019 erstmals die 54-Prozent-Schwelle (54,3 Prozent). Wie stabil dieser Wert ist, bleibt allerdings abzuwarten.


Das Exportquoten-Ranking

  1. Mecklenburg-Vorpommern: 73,6 Prozent
  2. Berlin: 67,1 Prozent
  3. Sachsen: 48,6 Prozent
  4. Sachsen-Anhalt: 46,6 Prozent
  5. Brandenburg: 39,6 Prozent
  6. Thüringen: 44,7 Prozent

 

Beschäftigung

Die Beschäftigtenzahl im ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau kletterte 2019 erstmals seit dem großen Strukturwandel und massiven Stellenabbau in den 1990er-Jahren über die 85.000er-Grenze. Nach neun Jahren unentwegten Beschäftigungsaufbaus gab es nun erstmals einen Knick: In den Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten fanden im Jahresschnitt 2020 fanden zirka 81.820 Menschen eine berufliche Heimat in der Branche.

Die Statistik wies dabei für Mecklenburg-Vorpommern ein Plus aus – neben Personalaufbau ist wie auch beim Umsatzergebnis der Sondereffekt zu berücksichtigen, dass die Statistik mehr Betriebe mit mindestens 50 Mitarbeitern erfasst hat. Das größte prozentuale Minus verzeichneten die Berliner Firmen (minus 14,2 Prozent).


Das Beschäftigten-Ranking

  1. Sachsen: 35.379 Mitarbeiter
  2. Thüringen: 15.816 Mitarbeiter
  3. Sachsen-Anhalt: 12.168 Mitarbeiter
  4. Berlin: 7.846 Mitarbeiter
  5. Mecklenburg-Vorpommern: 6.557 Mitarbeiter
  6. Brandenburg: 4.050 Mitarbeiter

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