Technikbildung an Schulen – Sachsen bundesweit im oberen Drittel

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Sachsen belegt in einer deutschlandweiten Lehrplananalyse des VDMA den fünften Platz. Punkten können die Schulen dabei mit den Pflichtfächern Informatik und Technik/Computer, welche sowohl an der Oberschule als auch am Gymanisum gelehrt werden.

  • Sachsen ist eines von nur vier Ländern mit Pflichtfach Informatik
  • Nachholbedarf an Gymnasien
  • VDMA will Lehrinhalte und Lehrerausbildung anpassen


Informatik und Technik/Computer als Pflichtfächer an Oberschule und Gymnasium: Damit punktet Sachsen im bundesweiten Ländervergleich der schulischen Technikbildung. Doch es gibt auch Schwachstellen. Dies zeigt eine umfangreiche Lehrplananalyse des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Im Ranking der Bundesländer belegt Sachsen Rang 5.

Deutschland ist eine Techniknation. Im allgemeinbildenden Schulsystem spielt die technische Bildung jedoch eine untergeordnete Rolle. Die Untersuchung des VDMA ergab, dass die Mehrheit der Jugendlichen die Schule ohne technische Vorbildung abschließen kann. "Während der Busfahrt mit Freunden per Smartphone chatten, zu Hause ein Kühlschrank-frisches Getränk genießen oder nach der Schule das Mittagessen in der Mikrowelle aufwärmen: All das ist für viele Jugendliche selbstverständlich. Wie aber die Technik funktioniert, wissen immer weniger junge Leute", sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA-Landesverbandes Ost.

Das macht auch den ostdeutschen Maschinenbauern zu schaffen. Einer Umfrage des VDMA Ost zufolge hatten fast zwei Drittel der ausbildenden Unternehmen Schwierigkeiten, bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres alle gewerblichen Ausbildungsstellen zu besetzen. 70 Prozent der betroffenen Betriebe bemängelten, dass die Jugendlichen oftmals nicht ausreichend auf die Anforderungen in der betrieblichen Praxis vorbereitet sind. Gründe sind erhebliche Wissenslücken in den Naturwissenschaften und fehlendes Technikverständnis.


Viele verschiedene Technikfächer – aber nicht für alle Schüler

Da künftige technische Innovationen ausbildungsfähige Nachwuchskräfte erfordern, hat der VDMA den Stellenwert der schulischen Technikbildung an allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufen 1 und 2 in den einzelnen Bundesländern untersucht. Sachsen erreicht im Ländervergleich mit 76.8 von 100 Punkten den fünften Platz – Spitzenreiter ist Baden-Württemberg (87.9) vor Sachsen-Anhalt (86.5) und Thüringen (80.7). Der Mittelwert beträgt 73.6 Punkte.

Besonders positiv: Informatik ist an Oberschulen und Gymnasien ein Pflichtfach. Das gibt es nur in drei weiteren Bundesländern. Auf dem Stundenplan aller sächsischen Schüler – unabhängig von der Schulform – steht zudem das technikorientierte Fach "Technik/Computer". Oberschüler werden ebenso verpflichtend in "Wirtschaft – Technik – Haushalt/Soziales" unterrichtet. Im Realschulzweig können sich Jugendliche darüber hinaus für den "Vertiefungskurs Technik" entscheiden. Außergewöhnlich ist auch das Wahlpflichtfach "Biotechnologie/Bionik" in der gymnasialen Oberstufe.


Separates Pflichtfach Technik mit spezieller Lehrerausbildung

Auf dem Lehrplan der gymnasialen Oberstufe insgesamt finden sich jedoch weniger Technikinhalte. Eine weitere Schwachstelle ist, dass weder Gymnasiasten noch Hauptschülern ein eigenständiges Fach Technik angeboten wird. "Hier muss dringend nachgebessert werden. Auch mit Blick auf die Digitalisierung ist es wichtig, die technische Bildung rasch aus ihrem Nischendasein zu führen", mahnt Pätz. Wenig hilfreich sei, dass seit Schuljahresbeginn unter anderem die Stundenzahlen in Mathematik und Technik/Computer teils reduziert wurden. "Gerade Sachsen mit seiner traditionsreichen Industriegeschichte und den zahlreichen innovativen Unternehmen sollte eine gute Technikbildung in allen Schulformen ermöglichen", ergänzt er.

Wie es besser geht, zeige Sachsen-Anhalt mit einem Pflichtfach Technik für alle Schüler. Das bringe zugleich Vorteile für die Lehrer, ist der Landesverbandsgeschäftsführer überzeugt. "Physik- und Biologielehrer sollen heute in ihrem Fach technische Inhalte vermitteln, obwohl sie dafür nicht ausgebildet sind. Wie sollen sie so Technik-Kompetenzen wie Erfinden, Konstruieren und Fertigen aufbauen und junge Leute begeistern", fragt Pätz.


Gute Praxisanwendung von Technikinhalten

Die Praxis- und Berufsorientierung ist in Sachsen hingegen gut positioniert. In den Lehrplänen sind unter anderem Pflichtpraktika und weitere berufsorientierte Maßnahmen verankert. Oberschüler lernen beispielsweise im Fach "Technik/Computer", selbstständig zu konstruieren.

Nachholbedarf sieht der VDMA noch in der fächerübergreifenden Zusammenarbeit. Vor allem in Mathematik ließen sich mehr technische Fragestellungen aufgreifen. Schüler könnten so besser den Bezug zum Alltag und der beruflichen Praxis herstellen. Das wiederum fördere das generelle Verständnis naturwissenschaftlich-technischer Zusammenhänge und erhöhe die Motivation, sich weiter mit technischen Themen zu befassen. Pätz befürwortet außerdem deutschlandweite Standards für die Vermittlung von Bildung. Ideal sei darüber hinaus, bereits in Kindergarten und Grundschule spielerisch die Faszination für Technik zu wecken.

 

Wir beantworten gern Ihre Fragen:
Reinhard Pätz, Geschäftsführer VDMA Ost, Tel. 0341 521160-13, E-Mail
Stefan Grötzschel, VDMA Bildung, Telefon 069 6603-1343, E-Mail

 

Unter bildung.vdma.org/technikunterricht erhalten Sie zudem umfassende Materialien für alle Bundesländer.

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