Technikbildung an Schulen – Thüringen im Bundesländervergleich vorn dabei

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Thüringen setzt stärker als andere Bundesländer auf technische Bildung an den allgemeinbildenden weiterführenden Schulen. Das zahlt sich aus: In der Lehrplananalyse des VDMA belegt Thüringen Platz 3.

  • Eigenständiges Pflichtfach Technik nur in Thüringen und Schleswig-Holstein
  • Nachholbedarf an Gymnasien
  • VDMA will Lehrinhalte und Lehrerausbildung anpassen


Ein eigenständiges Unterrichtsfach Technik an Gemeinschaftsschulen sowie technikorientierte Fächer an Regelschulen und Gymnasien: Thüringen setzt stärker als andere Bundesländer auf technische Bildung an den allgemeinbildenden weiterführenden Schulen. Das zeigt eine umfangreiche Lehrplananalyse des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Im Ländervergleich der schulischen Technikbildung belegt Thüringen Rang 3.

Deutschland ist eine Techniknation. Im allgemeinbildenden Schulsystem spielt die technische Bildung jedoch eine untergeordnete Rolle. Die Untersuchung des VDMA ergab, dass die Mehrheit der Jugendlichen die Schule ohne technische Vorbildung abschließen kann. "Während der Busfahrt mit Freunden per Smartphone chatten, zu Hause ein Kühlschrank-frisches Getränk genießen oder nach der Schule das Mittagessen in der Mikrowelle aufwärmen: All das ist für viele Jugendliche selbstverständlich. Wie aber die Technik funktioniert, wissen immer weniger junge Leute", sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA-Landesverbandes Ost.

Das macht auch den ostdeutschen Maschinenbauern zu schaffen. Einer Umfrage des VDMA Ost zufolge hatten fast zwei Drittel der ausbildenden Unternehmen Schwierigkeiten, bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres alle gewerblichen Ausbildungsstellen zu besetzen. 70 Prozent der betroffenen Betriebe bemängelten, dass die Jugendlichen oftmals nicht ausreichend auf die Anforderungen in der betrieblichen Praxis vorbereitet sind. Gründe sind erhebliche Wissenslücken in den Naturwissenschaften und fehlendes Technikverständnis.


Angebote vermitteln wichtige Kompetenzen

Da künftige technische Innovationen ausbildungsfähige Nachwuchskräfte erfordern, hat der VDMA den Stellenwert der schulischen Technikbildung an allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufen 1 und 2 in den einzelnen Bundesländern untersucht. Während die Analyse deutschlandweit ein unbefriedigendes Bild zeichnet, ist Thüringen gut positioniert. Im Ländervergleich erreicht Thüringen mit 80.7 von 100 Punkten den dritten Platz – hinter Spitzenreiter Baden-Württemberg (87.9) und Sachsen-Anhalt (86.5). Der Mittelwert beträgt 73.6 Punkte.

Besonders hervorhebenswert: Thüringen ist neben Schleswig-Holstein das einzige Bundesland, das "Technik" als eigenständiges Pflichtfach anbietet. Es gilt jedoch nur für Schüler an Gemeinschaftsschulen. An Regelschulen und Gymnasien gibt es stattdessen verpflichtende technikorientierte Unterrichtsfächer. Vor allem das Fach "Technisches Werken" vermittelt neben vielen Technikinhalten entscheidende Kompetenzen wie "Technik konstruieren und herstellen" oder "Technik bewerten".


Eigenständiges Fach Technik für alle Schüler erstrebenswert

Eine Schwachstelle hingegen ist, dass in der gymnasialen Oberstufe weder ein eigenständiges Fach Technik noch ein technikorientiertes Fach gelehrt wird. "Hier muss dringend nachgebessert werden. Auch mit Blick auf die Digitalisierung ist es wichtig, die technische Bildung rasch aus ihrem Nischendasein zu führen", mahnt Pätz.

Wie es besser geht, zeige Sachsen-Anhalt mit einem Pflichtfach Technik für alle Schüler. Das bringe zugleich Vorteile für die Lehrer, ist der Landesverbandsgeschäftsführer überzeugt. "Physik- und Biologielehrer sollen heute in ihrem Fach technische Inhalte vermitteln, obwohl sie dafür nicht ausgebildet sind. Wie sollen sie so Technik-Kompetenzen wie Erfinden, Konstruieren und Fertigen aufbauen und junge Leute begeistern", fragt er.


Fächerübergreifende Zusammenarbeit verstärken

Mit Blick auf die Praxis- und Berufsorientierung schneidet Thüringen gut ab. In den Lehrplänen sind unter anderem Betriebspraktika und projektbasierte Lernformen verankert. Darüber hinaus gibt es an Gymnasien bereits ein interdisziplinäres Seminarfach.

In der fächerübergreifenden Zusammenarbeit sieht der VDMA dennoch Nachholbedarf. So könne das Seminarfach in ähnlicher Form auf Regel- und Gemeinschaftsschulen ausgeweitet werden. Ebenso ließen sich in Mathematik mehr technische Fragestellungen aufgreifen, um den Bezug zum Alltag und der beruflichen Praxis besser herzustellen. Das fördere das Verständnis naturwissenschaftlich-technischer Zusammenhänge und erhöhe die Motivation der Schüler, sich weiter mit technischen Themen zu befassen. Pätz befürwortet außerdem deutschlandweite Standards für die Vermittlung von Bildung. Ideal sei darüber hinaus, bereits in Kindergarten und Grundschule spielerisch die Faszination für Technik zu wecken.

 

Wir beantworten gern Ihre Fragen:
Reinhard Pätz, Geschäftsführer VDMA Ost, Tel. 0341 521160-13, E-Mail
Stefan Grötzschel, VDMA Bildung, Telefon 069 6603-1343, E-Mail

 

Unter bildung.vdma.org/technikunterricht erhalten Sie zudem umfassende Materialien für alle Bundesländer.

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