Bericht zur Deutschen Einheit: Neben ostspezifischen immer mehr gesamtdeutsche Herausforderungen

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30 Jahre nach dem Mauerfall ist der Maschinen- und Anlagenbau wieder eine tragende Säule der ostdeutschen Industrie. Einige Folgen der deutsch-deutschen Trennung sind aber nach wie vor präsent.

  • Zur Debatte im Bundestag über den "Bericht zur Deutschen Einheit"

29 Jahre deutsche Einheit, 30 Jahre Mauerfall: Das ist zweifellos ein Grund zum Feiern! Und dennoch sind diese Daten in Ostdeutschland mit gemischten Gefühlen verbunden. Auf die Euphorie des politischen Umbruchs folgte ein schwerer wirtschaftlicher Schlag – besonders betroffen war die Industrie, die in den 1990er-Jahren einen erheblichen und schmerzhaften Strukturwandel durchlebte. Allein im ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau stürzte zwischen 1991 und 1992 die Zahl der Mitarbeiter von 334.000 auf nahezu die Hälfte ab, 2005 waren es nur noch etwa 62.000.

Doch mit Können, Mut und Leidenschaft hat die Branche zu neuer Stärke gefunden. Zwischen Erzgebirge und Ostseeküste zeigt sich heute ein vielfältiges, dynamisches Bild von modernen Traditionsbetrieben und jungen, aufstrebenden Unternehmen. Sie sind international wettbewerbsfähig, viele gelten als Hidden Champions. Damit ist der Maschinenbau eine tragende Säule der ostdeutschen Industrie.

Das spiegelt auch die wirtschaftliche Entwicklung wider. So kletterte seit 1991 der Umsatz von Betrieben mit mindestens 50 Beschäftigten um mehr als das Doppelte (1991: 8,6 Milliarden Euro – 2018: 18,5 Milliarden Euro). Etwa 85.000 Menschen finden derzeit ihre berufliche Heimat in der Branche – so viele, wie seit Mitte der 1990er-Jahre nicht mehr. Das Auslandsgeschäft wurde von anfangs 28 Prozent auf mittlerweile 51 Prozent ausgebaut, wenngleich die Exportquote nach wie vor deutlich unter dem Durchschnittswert von 79 Prozent der gesamtdeutschen Branche liegt. In der Arbeitsproduktivität holen die Unternehmen ebenfalls auf, haben aber auch hier noch Nachholbedarf.

Das zeigt: Die Branche ist erfolgreich, die Folgen der deutsch-deutschen Trennung sind aber drei Jahrzehnte nach der Wende noch immer präsent. Die Unternehmen sind im Durchschnitt deutlich jünger und kleiner, weisen eine niedrigere Eigenkapitalquote auf, agieren überdurchschnittlich oft als Zulieferer und müssen zusätzliche Nachteile wie hohe Energiepreise ausgleichen. Aufgrund der immensen Abwanderung nach der Wiedervereinigung müssen die Betriebe auch bei der ohnehin schwieriger werdenden Fachkräftesuche besondere Hürden meistern.

Neben diesen ganz speziellen ostdeutschen Herausforderungen gibt es jedoch zahlreiche Themen, die sich auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen in Ost, Süd, West und Nord gleichermaßen auswirken. Aspekte wie Bürokratie, Digitalisierung, Bildung, Verkehrsinfrastruktur und attraktive Lebensbedingungen im ländlichen Raum müssen daher aus gesamtdeutscher Sicht betrachtet werden.

Aus dem Umbruch der 1990er-Jahre lassen sich zudem Impulse für die heutige Zeit entfachen. Ein ähnlicher Wagemut und die Erfahrungen können (deutschlandweit) helfen, die heutigen Veränderungen zu bewältigen – sei es der Strukturwandel in den Kohleregionen oder in der Automobilindustrie. Die ersten Schritte wurden bereits gemacht: So sind beispielsweise die ostdeutschen Werke der Automobilhersteller das Zentrum der E-Mobilität.