Bildungsminister sieht sich als Verbündeter des Maschinenbaus

VDMA Ost

Die Technikbildung an den Schulen in Sachsen-Anhalt ist im Bundesländervergleich überdurchschnittlich. Doch punktuell gibt es auch Nachholbedarf. Vertreter des VDMA Ost und Bildungsminister Tullner erörterten deshalb Wege, die technische Bildung weiter zu verbessern. Der Minister sagte zudem konkrete Unterstützung zu.

Technikwissen gehört heute zur Allgemeinbildung. In der Technikbildung an Deutschlands Schulen spiegelt sich das jedoch häufig noch nicht wider. Das zeigt eine Lehrplananalyse, die der VDMA Anfang September 2019 veröffentlicht hat.

Dabei wurde auch ein starkes Gefälle zwischen den ostdeutschen Bundesländern sichtbar: Berlin belegte im Ländervergleich Platz 15, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern schnitten durchschnittlich ab, die mitteldeutschen Länder waren vorn mit dabei. Sachsen-Anhalt kam dabei als bestes ostdeutsches Bundesland auf Rang 2 (Ergebnisse der einzelnen Länder).

Und dennoch war es Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner, der das an alle Bundesländer gerichtete Gesprächsangebot des VDMA Ost als Erster annahm. Mitte November lud er die Verbandsvertreter Reinhard Pätz und Alf Dahl sowie Reiner Storch, Geschäftsführer der AEM-Anhaltische Elektromotorenwerk Dessau GmbH, ins Ministerium ein.


Technik alltagstauglich vermitteln

Tullner führte das sehr gute Ergebnis seines Landes unter anderem auf die Bemühungen zurück, die schulische Ausbildung praxis- und alltagsnäher zu gestalten. Der entscheidende Pluspunkt: Sachsen-Anhalt bietet als einziges Bundesland ein Wahlpflichtfach Technik in allen Schulformen an. Außerdem können die Schüler verschiedene technikorientierte Fächer wählen. Ebenso gehören flexible Lernformen zum Schulalltag.

Der VDMA Ost sieht dies als entscheidende Grundlage an, um Jugendliche stärker für Technik zu faszinieren und für technische Berufe zu interessieren. So fördert Technikunterricht fördert nicht nur praktische Fähigkeiten, die Problemlösungskompetenz und Kreativität – er zeigt auch berufliche Perspektiven und Alternativen auf.

Der Verband setzt sich daher für ein eigenständiges Fach Technik und generell mehr Technikunterricht an allgemeinbildenden Schulen ein. Berücksichtigt werden sollten hierbei sowohl allgemeinbildende als auch berufsqualifizierende Inhalte.


Ministerium geht offene Baustellen an

Mit Blick auf Sachsen-Anhalt gibt es jedoch auch einen Wermutstropfen: So sind die Schüler nicht verpflichtet, die vielfältigen Angebote zu belegen. Während des Gesprächs diskutierten daher die Industrievertreter und der Minister über weitere Verbesserungsmöglichkeiten. Aus Sicht des VDMA sollte demnach vor allem die Praxis- und Berufsorientierung verstärkt werden. Dies gilt insbesondere an Gymnasien: Im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern sind an diesen Schulen derzeit keine Pflichtpraktika vorgesehen. Auch Projektprüfungen bei projektorientierten Arbeiten wären ein Schritt in die richtige Richtung.

Mit den jüngst eingeführten Praxislerntagen für Sekundarschüler hat das Bildungsministerium einen ersten Schritt getan, um den Nachholbedarf abzubauen. Gleichzeitig bittet Tullner die Maschinenbau-Unternehmen für die Praxislerntage um Unterstützung, um die Verbindung zwischen Schule und regionaler Wirtschaft zu intensivieren.


Minister sagt konkrete Unterstützung für 2020 zu

Auch der VDMA Ost will Schule und Wirtschaft zusammenbringen. Ein Puzzleteil sind die Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer, Berufsschullehrer sowie Berufs- und Studienberater direkt vor Ort bei VDMA-Mitgliedern. Hier erleben die Teilnehmer hautnah den Maschinen- und Anlagenbau. Die Resonanz speziell der Pädagogen blieb in den vergangenen Jahren jedoch vergleichsweise gering. Daher sagte Tullner für 2020 spontan seine persönliche Teilnahme an der geplanten Lehrerfortbildung in Sachsen-Anhalt zu.

Da die technische Schulbildung langfristig nur durch bundeseinheitliche Qualitätsstandards gesichert werden kann, warben die VDMA-Vertreter für Unterstützung im Bundesrat. Auch hier sieht sich der Bildungsminister als Verbündeter, da ostdeutsche Bundesländer gemeinsamen Standards – unabhängig der Fächer – offen gegenüberstehen.


Fehlende Ausbildungsreife thematisiert

Das Gespräch nutzten VDMA Ost und AEM auch, um das Ministerium eindringlich auf die sich verschärfende Ausbildungssituation hinzuweisen. Rückläufige Bewerberzahlen, vor allem aber Jugendliche mit erheblichen Wissenslücken in den MINT-Fächern sowie unzureichenden sozialen Kompetenzen erschweren den ostdeutschen Maschinenbauern die Suche nach geeigneten Auszubildenden für die gewerblichen Berufe (Ausbildungssituation im ostdeutschen Maschinenbau). AEM-Geschäftsführer Storch schilderte, was die nachlassende Ausbildungsfähigkeit für sein Unternehmen bedeutet – sowohl für den Auswahlprozess als auch den Aufwand, die Nachteile auszugleichen.

 

Ein weiterer Austausch ist demnächst mit den Ministerien in Sachsen und Thüringen geplant.


Ihr Kontakt zum VDMA Ost

Sie haben Fragen zur VDMA-Lehrplananalyse oder zum Gespräch mit Sachsen-Anhalts Bildungsminister? Sie wollen sich in die Treffen mit den Ministerien aus Sachsen oder Thüringen einbringen? Dann sprechen Sie uns bitte an!
Alf Dahl: Telefon 0341 521160-14, E-Mail