Im ostdeutschen Maschinenbau gibt es überdurchschnittlich viele Ingenieurinnen

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Ob Ingenieurquote oder Frauenanteil: Die VDMA-Ingenieurerhebung offenbart auch 2019 deutliche regionale Unterschiede.

  • Ein Drittel aller Beschäftigten sind Ingenieure
  • Frauenanteil von 13 Prozent ist deutlich höher als bundesweit
  • Unternehmen erwarten steigenden Ingenieurbedarf


In den Belegschaften des ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbaus arbeiten anteilig doppelt so viele Ingenieure wie bundesweit. Auch die Frauenquote ist in der Region höher. Die Unternehmen erwarten zudem in den kommenden Jahren einen steigenden Bedarf an Ingenieuren. Das ergab die Ingenieur-Erhebung 2019 des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Diese Mitgliederbefragung führt der VDMA alle drei Jahre durch.

Demnach geht durchschnittlich jeder dritte Mitarbeiter in den Firmen zwischen Ostseeküste und Erzgebirge einem Ingenieursberuf nach (33,6 Prozent) – im gesamtdeutschen Maschinenbau ist es etwa jeder sechste (17,1 Prozent). Der Grund für diese Differenz liegt vor allem in der ungleichen Unternehmens­landschaft. "In Ostdeutschland überwiegt die kleinteilige Wirtschaft. Die Betriebe müssen jedoch genauso innovationsstark und wettbewerbsfähig sein wie große Mittelständler oder Konzerne. In den kleineren ostdeutschen Belegschaften ist daher der Anteil der Ingenieure höher, dafür werden die vielfältigsten Verwaltungsaufgaben bei wenigen Mitarbeitern gebündelt", erklärt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost. Als weiteren historischen Effekt nennt er den hohen technischen Ausbildungsgrad der älteren Generationen, der noch immer nachwirke.


Anteil der Frauen geht leicht nach oben

Darüber hinaus lässt sich nach wie vor ein höherer Frauenanteil unter den Ingenieuren beobachten. Im ostdeutschen Maschinenbau beträgt die Quote 13 Prozent, bundesweit 9,2 Prozent. "Nachdem in Ostdeutschland zwischen 2010 und 2016 die Ingenieurinnenquote von 17 Prozent auf 12,6 Prozent fiel, wurde der Abwärtstrend nun wieder leicht umgekehrt", sagt Pätz.

In der ehemaligen DDR hatten deutlich mehr Frauen eine technische Ausbildung durchlaufen und in diesen Berufen gearbeitet als im alten Bundesgebiet. In den vergangenen Jahren ist der Frauenanteil jedoch stetig gesunken, da sich immer mehr Ingenieurinnen in den Ruhestand verabschiedeten. "Die aktuelle Entwicklung lässt sich hoffentlich darauf zurückzuführen, dass wieder mehr Frauen den Weg in Ingenieurberufe finden. Doch vielleicht sind auch einfach nur mehr Männer als Frauen aus dem Beruf ausgeschieden. Für eine seriöse Einschätzung müssen wir die kommenden Jahre abwarten", erklärt der Geschäftsführer. Im gesamten Bundesgebiet erhöhte sich der Anteil seit 2016 von 8,5 Prozent auf 9,2 Prozent.


Altersstruktur passt sich bundesweitem Trend an

Die ostdeutschen Unternehmen haben den demografischen Wandel in den vergangenen Jahren besonders stark zu spüren bekommen. Mittlerweile konnten die Maschinenbauer die Überalterung ihrer Belegschaften stoppen und den Mittelbau wieder stabilisieren: Drei Viertel aller Ingenieure ist zwischen 31 und 55 Jahre alt. Unterdurchschnittlich vertreten sind indes die Nachwuchskräfte. 8 Prozent der Ingenieure sind höchstens 30 Jahre, im gesamtdeutschen Maschinenbau sind es 13 Prozent.

"Das verdeutlicht die Schwierigkeiten, junge Menschen sowohl für technische Berufsfelder als auch für Jobs in Unternehmen der Region zu begeistern. Schule, Politik und Wirtschaft müssen deshalb an einem Strang ziehen", plädiert Pätz. Hilfreich sei zum Beispiel, Schülern mehr technische, berufspraktische Inhalte zu vermitteln sowie die Lebensbedingungen im ländlichen Raum attraktiver zu gestalten. Außerdem müssten die Betriebe noch offensiver für sich und die vielfältigen beruflichen Perspektiven werben. "Der Maschinenbau hat längst sein Image der schmutzigen, lauten Werkhallen abgelegt", betont Pätz. Der Verband zeigt das regelmäßig in Fortbildungen für Lehrer, Berufs- und Studienberater auf.


In Zukunft noch mehr Ingenieure gefragt

Wie wichtig die Nachwuchs- und Mitarbeiterwerbung ist, zeigt auch der Blick in die Zukunft. 31 Prozent der ostdeutschen Maschinenbauer glauben, dass in den kommenden fünf Jahren der Bedarf an Ingenieuren steigen wird. Gefragt sein werden vor allem Ingenieure für die Konstruktion, den Vertrieb sowie die Forschung und Entwicklung.

 

Zu den Ergebnissen für den Gesamt-Maschinenbau

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